Walser: der letzte Nachschlag

Wien (OTS) - Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers" wird am
26. Juni in einer etwas von Marcel Reich-Ranicki wegführenden Form erscheinen. Das ist in der neuen NEWS-Ausgabe nachzulesen. In einer vom Autor für NEWS korrigierten Vorabdruckpassage wütet Kritiker Ehrl-König zwar noch gegen "Schschscheriftstellerrr" und "Literatür", MRRs Eigenart, "eu" wie "oi" zu sprechen, ist allerdings getilgt. Die aktuelle Variante lautet somit "deutsche Literatür".

In NEWS-Interviews erklären sich auch Nikolaus Harnoncourt und Gérard Mortier, sonst nicht eines Sinnes, für Walser. Harnoncourt:
"Antisemitismus ist etwas Untrügliches, das man sehr genau spürt. Da sträuben sich einem die Haare. Walser aber ist kein Antisemit. Ich gehe nicht mit dem Suchgerät und versuche etwas, das gar nicht antisemitisch ist, auf antisemitisch umzudeuten."

Und Mortier: " Ich finde dieses Geschimpfe, dieses Einander-gegenseitig-als-Antisemiten-Ausrichten der europäischen Intellektuellen, während in Palästina täglich Menschen sterben, unwürdig. Es lebt ein Antisemitismus in Europa, sicher. Aber Gauß würde ich sicher nicht als Antisemiten sehen. Und auch Walser ist keiner. Zur Zeit wird in der Welt zu viel gelitten, als dass sich einige mit oberflächlichem Gerede zu diesen Themen selbst ins Licht stellen dürften.

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