Mortier: Kritik an Salzburger Festspielführung

Wien (OTS) - Gérard Mortier übt in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe Kritik am amtierenden Direktorium der Salzburger Festspiele. Anlass sind die Budgetprobleme, die Intendant Peter Ruzicka in der Vorwoche bekanntgab.

Laut Mortier habe Ruzicka nicht rasch genug auf die "Verblendung vor allem der FPÖ-Aufsichtsräte" im Festspielkuratorium reagiert. Dort bestehe die "Zwangsvorstellung, die Festspiele würden unendlich viel Geld bekommen und müssten darüber glücklich sein. Ruzicka hat sich auf ein Nullsummenspiel eingelassen, das nur bei totaler Auslastung, höchster Sponsorleistung und perfekter Balance zwischen teuren Produktionen und Geldbringern funktionieren kann. Zum Beispiel müsste heuer die 'Turandot' Geld einspielen, um 'Kandaules' und den unbekannten Richard Strauss einzuspielen. Wenn man 'Turandot' aber mit dem neuen, teuren Schluss von Luciano Berio spielt, ist man in Teufels Küche Es war ja auch die FPÖ mit Herrn Grasser an der Spitze, die ständig den Umbau des Kleinen Festspielhauses blockiert hat und nicht begreift, dass dieser Umbau lebensnotwendig für die Festspiele ist."

Ruzicka sei die Sache allerdings nicht anzulasten, so Mortier in NEWS: " Das ist nicht seine Aufgabe, sondern die der Präsidentin! Sie müsste doch nach acht Jahren genug vom Budget verstehen! Sie hat nach der neuen Regelung mit dem Verwaltungsdirektor dafür zu sorgen, daß das Budget stimmt. Der Unterschied zwischen Ruzicka und mir ist, dass ich immer ganz präzise das Budget gekannt habe. Man kann sich in Salzburg als Künstlerischer Leiter nicht nur mit Kunst beschäftigen, sonst fällt man den Verhinderern in die Hände. Man hat ihm ja noch Budget weggenommen! Das ist ja unverantwortlich, dass es gerade eine Präsidentin, die immer die Fahnenträgerin von FPÖ und ÖVP war, nicht schafft, bei ihren eigenen Leuten genügend Geld für die Festspiele frei zu machen."

Dass man sich für den Umbau des Kleinen Festspielhauses auf Alberto Vilár verlassen habe, sei ein Fehler gewesen. "Ein Land wie Österreich, das vom Kulturtourismus lebt, soll es sich nicht leisten können, 400 Millionen in ein Haus zu investieren, das Milliarden bringt? Das sind ja Investitionen, die über 20 Jahre laufen! Das ist die Konkurserklärung Österreichs als Kulturland."

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