Rotkreuz-Weltkatastrophenbericht 2002: Erreichung internationaler Entwicklungshilfe-Ziele "reine Illusion", solange mangelnde lokale Katastrophenvorsorge Lebensgrundlagen wieder und wieder zerstoert.

Wien (OTS) - Internationale Entwicklungshilfe-Ziele wie die Halbierung der Armut und des Hungers in der Welt bis 2015 bleiben eine "reine Illusion, solange ausreichende Katastrophenvorsorge nicht dafür sorgt, dass die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen nicht wieder und wieder zerstört werden." - Das sagte Martina Schloffer, die Leiterin der Internationalen Hilfe des Roten Kreuzes, heute aus Anlass der Veröffentlichung des zehnten Weltkatastrophenberichts des Roten Kreuzes.

Der Weltkatastrophenbericht 2002 des Roten Kreuzes belegt den Zusammenhang in seltener Deutlichkeit: "Nur langfristige Vorbeugung statt Konzentration auf kurzfristige, medienwirksame High-Tech-Hilfe - so notwendig sie oft ist - kann die andauernden Rückschläge durch Katastrophen in Entwicklungsländern vermeiden", so Schloffer weiter. Das Geld für nachhaltige Entwicklung vor Ort sei allerdings bei den Geberländern nahezu unmöglich aufzutreiben.

Der Weltkatastrophenbericht 2002 des Roten Kreuzes weist zwar nach, dass sich die Anzahl der von Katastrophen geforderten Menschenleben im letzten Jahrzehnt halbiert hat. Allerdings hat sich im selben Zeitraum die Anzahl der von Katastrophen betroffenen Menschen verdreifacht und der wirtschaftliche Schaden, den Katastrophen angerichtet haben, sogar verfünffacht. Der Grund: "Die reaktive Hilfe funktioniert jetzt", so Martina Schloffer, "die Vorbeugung nicht. Das hemmt aber auch die Entwicklung."

Das Rote Kreuz verbindet damit die Forderung an die Geberländer, mehr in die Katastrophenvorsorge zu investieren. ECHO, das Amt für humanitäre Hilfe der Europäischen Union, würde nur 1,5% seines Budgets für die Vorsorge aufwenden - dabei gebe es aus der Erfahrung des Roten Kreuzes zahlreiche Beispiele für die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Stärkung von lokalen Kapazitäten in der Katastrophenvorsorge, so Schloffer.

  • In Vietnam beispielsweise hat das Rote Kreuz wegen der Gefahr durch Wirbelstürme entlang 110 Kilometern Küste rund 12.000 Hektar Mangroven gepflanzt. Als der Taifun Wukong vor zwei Jahren den Norden Vietnams heimsuchte, stoppten die Mangroven seine Zerstörungskraft. Die Schäden waren gering, es war kein einziges Menschenleben zu beklagen, und die Lebensgrundlagen der Menschen wurden nicht zerstört. Außerdem erspart sich Vietnam seither jedes Jahr sieben Millionen Dollar für die Instandhaltung beschädigter Deiche.
  • Als der Hurrikan Mitch 2001 in Kuba wütete, war gar keine internationale Hilfe notwendig. Zwar starben fünf Menschen, aber gute lokale Katastrophenpläne erlaubten die sichere Evakuierung von 700.000 Personen aus dem Raum Havanna und anderen vom Hurrikan gefährdeten Gebieten.
  • Selbst in einer der spektakulärsten Katastrophen der vergangenen Jahre, der Überflutung in Mosambik im Jahr 2000, wurden - trotz Medienberichten, die das Gegenteil annehmen ließen - nur vier Prozent der Flutopfer von internationalen Helfern geborgen. 34.000 Menschen wurden von einheimischen Helfern - darunter Rotkreuz-Freiwillige -mit Booten geborgen.

"Trotz dieser schlagenden Beispiele hat beispielsweise Mosambik nur 15 Prozent jener Hilfsgelder überhaupt erhalten, die für die Errichtung von einfachen Wasserstandsanzeigern benötigt werden, um die Menschen beim nächsten Mal rechtzeitig vor einer Katastrophe zu warnen", erklärt Martina Schloffer. "Spontane High-Tech-Hilfseinsätze sind eben populärer, obwohl langfristig vorbeugende Maßnahmen auf lokaler Ebene viel effektiver und effizienter sind."

++++ Achtung: bitte SPERRFRIST 18. Juni 2002, 24.00 Uhr, beachten! Zur Illustration sind Fotos in Druckauflösung verfügbar.
Auch sendetaugliches Videomaterial ist auf dem Wege der European Broadcasting Union verfügbar.

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