"Basel II" und der Tourismus: Banken-Obmann Rothensteiner gibt Entwarnung

"Basel II wird nicht zur Standortfrage" - "Soft facts" bleiben entscheidend

Wien (PWK439) Die Situation des österreichischen Fremdenverkehrs ist gekennzeichnet durch überwiegende Kreditfinanzierung, geringe Eigenkapitalausstattung und kleine Betriebsgrößen. In letzter Zeit wurden Befürchtungen laut, dass sich diese schwierige Situation durch "Basel II" noch weiter verschärfen werde.

Entwarnung gibt in dieser Frage der Obmann der Bundessparte Bank und Versicherungen, Raiffeisen-Generaldirektor Walter Rothensteiner, am Dienstag beim Tourismusforum der Wirtschaftskammer in Baden. Wie er sagte, wurde das Thema teilweise emotionalisiert, die Rede war von Kreditverknappung und vom Aussterben ganzer Branchen. Tatsächlich habe der Basler Ausschuss nach heftigen Forderungen der Kreditwirtschaft und der Vertreter von Gewerbe und Industrie die Rolle der KMUs als Rückgrat der heimischen Wirtschaft berücksichtigt, führte Rothensteiner in seinem Diskussionsbeitrag zum Thema "Standortfrage Finanzierung" aus. Das diesjährige Tourismusforum durchleuchtet den "Tourismusstandort Österreich" unter verschiedenen Gesichtspunkten und versucht, Konzepte und Lösungsansätze für die Zukunft zu liefern. Mit am Podium beim Finanzierungsgespräch am Dienstag waren die Vertreter einer Reihe wichtiger, mit der Fremdenverkehrswirtschaft verbundener Bankinstitute (Oberbank AG Linz, Erste Bank, S-Tourismusfonds, Österr. Tourismusbank und FinanzierungsgarantieGmbH).

Die neuen Eigenmittelvorschriften betreffen nicht nur Österreich, sondern letztlich alle Industrienationen. "Damit ist aus dem Titel Basel II auch keine Wettbewerbsverzerrung für Tourismusbetriebe zu erwarten. Basel II wird nicht zur Standortfrage", stellte Generaldirektor Rothensteiner fest. Die Verhandlungen und Anpassungen laufen weiter, "am Ende des Tages werde man ein Ergebnis vorzeigen können, mit dem man sicher leben kann". Im Übrigen habe der heimische Tourismus zumindest in Sachen Finanzierung keine Standortnachteile, da die Kreditkonditionen in Österreich auf Grund des starken Bankenwettbewerbes unter dem internationalen Niveau liegen.

Bei der Kreditvergabe werden auch in Zukunft nicht allein die Bilanzkennzahlen entscheiden, sondern auch "soft facts" wie unternehmerische Fähigkeiten, Kreativität und Konzepte. Gerade diese Faktoren könne niemand besser beurteilen als die örtlich oder regional tätige Bank. "Ihre Hausbank wird wie bisher Ihr Partner sein", versicherte Rothensteiner den Tourismusunternehmern im Auditorium.

Alternative Finanzierungsformen wie Mezzaninfinanzierung, Immobilien-Investmentfonds, Unternehmensanleihen, Wandelschuldverschreibungen und Kapitalmarktfinanzierungen könnten den - mit einem Anteil von 89 Prozent klar dominierenden -klassischen Bankenkredit nur kreativ ergänzen, sicherlich aber nicht ersetzen, hält Rothensteiner fest.

Zukunft habe hingegen auch in Österreich die "Destinationsfinanzierung". Bei dieser werden Aufgaben wie Einkauf, Adressdatenbank oder Haustechnik in einer Kooperationsgesellschaft gebündelt. Die größere Struktur schaffe Vorteile nicht nur beim laufenden Betrieb, sondern auch bei der Finanzierung von Neuinvestitionen, da es oft leichter sei, eine Bank oder einen Investor für eine ganze Destination als für einen einzelnen Betrieb zu finden.

Der Moderator der Diskussionsrunde, der stellvertretende Obmann der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft und Innsbrucker Tourismusberater Klaus Ennemoser, wies in seinen Einleitungsworten auf die hohe Bedeutung der Finanzierung im Tourismus hin. In den letzten Jahren wurden von der Branche rund 40 Milliarden Euro investiert. Mit einem Eigenkapitalanteil an der Gesamtbilanz von 28 Prozent liegen die österreichischen Klein- und Mittelbetriebe, so Ennemoser, in einer Europastatistik an letzter Stelle. (hp)

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