Brosz: "Schulische Minireformen sind vertane Chance"

ÖVP blockiert weitreichende und sinnvolle Änderungen

OTS (Wien) - "Die von den Regierungsparteien angekündigten Vierparteiengespräche haben wieder einmal nicht stattgefunden, obwohl es sich um Verfassungsmaterien handelt. Im Integrationsbereich wurde derselbe Entwurf eingebracht, der bereits vor einem Jahr im Parlament keine Zweidrittelmehrheit erhielt. Diese Vorgangsweise zeigt, dass es der Regierung gar nicht darum geht, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen," kritisiert der Bildungssprecher der Grünen, Dieter Brosz, die Vorgangsweise der Regierung rund um das Schulpaket.

Die sogenannte Oberstufenreform verkommt in Wahrheit zu einem Festschreiben des Status quo. Obwohl die ÖVP und vor allem Bildungsministerin Gehrer zunächst selbst von einem Modulsystem in der
Oberstufe sprach, wird dieser zukunftsweisende und sinnvolle Schritt jetzt von ihr verhindert. Ganze sechs Stunden - also eineinhalb Stunden
pro Schuljahr - sollen in der gesamten Oberstufe von den SchülerInnen gewählt werden können. Zusätzlich sollen die Schulen Schwerpunkt im Ausmaß von ca. 10 Prozent der Stunden bilden können. "Während in ganz Europa Reformen in der Oberstufe mit deutlich mehr Wahlmöglichkeiten für SchülerInnen und Schritte zu einem flexibleren, projektorientierten Unterricht gesetzt werden, verfällt die ÖVP in Selbstbeweihräucherung über internationale Vergleiche, die für Österreich einen Mittelfeldplatz ausweisen," kritisiert Brosz.

Im Integrationsbereich wird seit Jahren von den Grünen und verschiedensten Expertinnen die Ausweitung der Integration ab der 9. Schulstufe auf alle Schultypen und die grundsätzliche Ausweitung auf mittlere und höhere Schulen gefordert. Gehrer straft diese Forderungen mit Ignoranz. Das Argument, es gehe um die Ermöglichung der Matura, ist einer Bildungsministerin unwürdig. Mittlere Schulen schließen nicht mit der Matura ab. Vielmehr geht es um die Frage der Integration und um eigene Leistungskriterien. Gehrer hat immer noch nicht verstanden, dass die Beschränkung der Integration auf die polytechnischen Schulen in der 9. Schulstufe kein Schritt der Integration, sondern einer der Ausgrenzung ist", so Brosz weiter.

Die Einführung von Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) ist in der von der Regierung beschlossenen Form problematisch. Erstens wird ausgerechnet zu Lasten des Deutschunterrichts gekürzt, zweitens bleibt der völlig unterschiedliche Wissensstand der 10jährigen unberücksichtigt. Alle sollen über einen Kamm geschoren werden. Die Grünen bekennen sich zu einem ergänzenden und übergreifenden Computereinsatz im Schulsystem: "Dazu wären vor allem eine umfassende LehrerInnenweiterbildung und eine umfassende Nutzungsmöglichkeit der Computer in den Schulen notwendig. Ein eigener Unterrichtsgegenstand löst das Problem nicht," so Brosz abschließend.

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