AKNÖ warnt vor teuren Werbefahrten!

"Ich kann Krankheiten heilen!" das verspricht der Vortragende bei einer Werbefahrt. AKNÖ-Konsumentenschützer überlegen Anzeige wegen Kurpfuscherei.

Wien (AKNÖ) - Adele S. aus Niederösterreich ist empört. Mit einer an sie persönlich adressierten Gewinnverständigung, wurde sie zur Teilnahme an einer Werbefahrt geködert. Grund genug für die Konsumentenschützer der Niederösterreichischen Arbeiterkammer (AKNÖ) aktiv zu werden. Ein AKNÖ-Experte schloss sich der Reisegesellschaft an und erlebte einen ganz besonderen Tag.

So wie Adele S. ergeht es zur Zeit vielen anderen arglosen Konsumenten. Eine Firma mit Sitz in Cloppenburg in Deutschland verschickt Gewinnbescheinigungen. Die GewinnerInnen können ihren Hauptgewinn - ein tragbares TV-Look-Gerät - erst dann entgegennehmen, wenn sie an einer "Panoramafahrt durch die sommerlichen Landschaften" teilnehmen. Versprochen wird den TeilnehmerInnen "ein ganzer Urlaubstag" um nur 3 Euro, der "Zeit für Geselligkeit", "Erholung pur" und ein "Genießen bei molligen Temperaturen". So ist es zumindest in den bunten Gewinnverständigungen zu lesen. Ist man trotz des günstigen Preises von 3 Euro noch am Überlegen, überzeugen dann schließlich die restlichen Gratis-Angebote: eine "stilvolle Wetterstation", ein "prallgefülltes Schlemmerpaket", ein Spargeltopf (!), ein Barbecue-Luxus-Grill, 500 g Schinken, als Sonderleistung eine Flasche Wein und ein Mittagessen. Dazu Adele S: " Die Geschenke halten nicht das, was sie versprechen. Der Spargeltopf war angeblich beim Transport von China nach Europa verrostet, das Schlemmerpaket gab’s auch nicht . Das Mittagessen war auch nicht gratis, über 8 Euro hat das Schnitzel gekostet. Aber die größte Enttäuschung war für mich der versprochene Fernseher, der sich als Radio mit Fernseh-Optik entpuppt hat. Ich hab geglaubt, ich hab einen echten Fernseher gewonnen. Meine Enttäuschung war dementsprechend groß, wie Sie sich vorstellen können."

Knapp 2 Stunden waren die 37 Reisefreudigen mit dem Bus unterwegs, bevor sie in Pottenbrunn bei St. Pölten Halt machten. Nach dem Frühstück wurden Haushalts- und Gesundheitswaren und eine Wellness-Reise präsentiert. Zur Sache ging es erst nach dem Mittagessen.

Knapp 2.300 Euro für wertlose Coenzym-Kur

"Ich kann Krankheiten heilen!" Mit diesen Worten kam der Werbefahrtsleiter dann auf den Punkt. Als Geheimtipp, als Wunderwaffe der Reichen gegen das Altern und gegen Krankheiten präsentierte er die neue Coenzym-Kur. Eine 3monatige Ampullenkur hält für die nächsten 35 Jahre gesund, so das Versprechen des Veranstalters. Ab Herbst 2002 sei es dann zu kaufen. Die Krankenkassen unterstützen diese Kur nicht, weil sie von den Pharmafirmen "erpresst werden". Denn würde jeder diese Coenzym-Kur einnehmen, würden die Pharmafirmen ihre anderen Arzneimittel nicht mehr an den Mann bringen und würden in weiterer Folge ihre Milliardenzahlungen an die Krankenkassen einstellen.

2.288,18 Euro (31.486 S) koste eine Ampullenkur für 3 Monate. Eine Menge Geld, das wisse er, aber immerhin sei man ja die nächsten 35 Jahre gesund und erspare sich auch sonstige Medikamente. Aber, weil er ja Werbung machen müsse, könne er einigen wenigen, die sich wirklich dafür interessieren, die Kur um den einmaligen Preis von 998 Euro (13.732,78 S) anbieten. Zusätzlich gibt es noch eine Magnetfelddecke von Dr. Paul im Wert von über 1.000 Euro gratis dazu.
Der Schmäh mit der Gesundheit macht sich bezahlt. Auch jene, die sich zuerst noch skeptisch gaben als von einer Coenzym-Kur die Rede war, konnten der Verlockung ewiger Gesundheit doch nicht widerstehen. Viele bestellten sofort. Frau Adele jedoch wandte sich am Tag danach lieber an die AKNÖ. Für Günther La Garde, AKNÖ-Konsumentenschützer eine richtige Entscheidung : "Erstens sind die Preise horrend, zweitens werden diese Produkte bei den Werbefahrten illegal vertrieben und drittens ist die gesundheitsfördernde und -erhaltende Wirkung nicht nachgewiesen." Er kündigt an, gegen den Veranstalter eine Anzeige wegen Kurpfuscherei nach dem Arzneimittelgesetz einzubringen.

Gefälschte AMC-Pfannen Weiteres Kuriosum am Rande: Auf der Verkaufsfahrt wurden auch AMC-Pfannen zum Verkauf angeboten. Original-Pfannen, wie mit Hinweis auf das AMC-Symbol, betont wurde. Nach Rücksprache mit Dr. Drabek, Geschäftsführer von AMC Österreich, handelt es sich dabei eindeutig um Fälschungen. 49 Euro für eine Pfanne, die es im Handel auch billiger gibt. Nichtsdestotrotz gingen die Pfannen weg wie die warmen Semmeln. AMC Österreich überlegt sich rechtliche Schritte gegen die Veranstalter dieser Werbefahrt.

Einträgliches Geschäft Alles in allem handelt es sich für die Veranstalter um ein einträgliches Geschäft. Allein bei dieser Werbefahrt wurden schätzungsweise 13.000 Euro umgesetzt. Bei solchen Beträgen müsste man meinen, dass der Kunde König ist. Das stimmt nur so lange, wie der Kunde eifrig in sein immer dünner werdendes Geldbörsel greift. Ein Teilnehmer, der schon zu der vermeintlich echten AMC-Pfanne gegriffen hatte, entschied sich anders. Was ihm den unverhüllten Ärger des Verkaufsleiters einbrachte. Andere, die sich gar nicht dazu entschließen konnten, etwas zu kaufen, bekamen am Ende der Reise nur einen Teil der Geschenke ausgehändigt. Strafe muss sein! Die AKNÖ-Konsumentenschützer sind über diese Vorgangsweise empört. Aus zahlreichen Beschwerden aber wissen sie, dass die Methoden bei derartigen Verkaufsfahrten immer skrupelloser werden. Nichtsdestotrotz scheint das Geschäft zu boomen: La Garde wurde darüber informiert, dass es in St. Pölten und Umgebung 4 bis 5 solcher Veranstaltungshallen gibt. Nahezu täglich werden gutgläubige Konsumenten zu diesen Werbeverkaufsveranstaltungen gekarrt. "Ein sehr einträgliches Geschäft für die Veranstalter, ein weniger gutes für die Konsumenten", meint La Garde. Die Konsumentenschützer raten, Hände weg zu lassen von derartigen Gewinnverständigungen. Im Mistkübel sind sie besser aufgehoben. Abschließend raten die AK-Experten, auf Werbefahrten auf keinen Fall etwas zu kaufen oder zu bestellen. Sollte man sich doch hinreißen haben lassen, dann steht nach §3 Konsumentenschutzgesetz die Möglichkeit offen, zumindest innerhalb einer Woche vom Vertrag zurückzutreten. Der Rücktritt muss schriftlich und am besten mittels eingeschriebenen Briefes erklärt werden.

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