"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Der Weg zum Sieg" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 18. Juni 2002

Innsbruck (OTS) - Zum Auftakt gab es gestern einen Tribut an die Geschichte: Frieden zwischen der CDU und ihrem früheren Parteichef Kohl. Das Hauptaugenmerk gilt indes der Zukunft und die Botschaft von Stoiber, Merkel und Co. für den Wahltag im September ist unmissverständlich: Die Rückkehr an die Macht ist möglich.

Umfragen bestärkten die Zuversicht der Union bisher stetig. Neue Hoffnung ist darauf gerichtet, dass der Streit beim wahrscheinlichen Koalitionspartner FDP beendet ist und der Schlagabtausch mit dem politischen Gegner wieder um die Zukunftsprobleme des Landes geführt wird - vor allem hohe Arbeitslosigkeit und lahmende Konjunktur. Entscheidend wird letztlich sein, welcher Partei die notwendigen Reformen zugetraut werden. Beifall für Stoiber ist eine Sache. Aber um vollends zu überzeugen, müsste die Union während der kommenden Wochen in überfälliger Klarheit Antworten auf die Frage liefern, wie sie die Grundlage für eine Phase dauerhaften und stetigen wirtschaftlichen Wachstums schaffen will.

Im Gegensatz zu 1998, als die Breite eine Stärke der SPD-Wahlkampfriege war, agiert Kanzler Schröder diesmal fast als Einzelkämpfer. Und es trifft ihn die Negativbilanz zur Steuer-, Renten- und Gesundheitsreform der rot/grünen Regierung mit voller Wucht. Die Magie der von Schröder propagierten neuen Mitte zog vor der letzten Wahl auch viele traditionelle CDU-Wähler an. Sie haben den Marsch zurück längst angetreten. Viele denken auch an außenpolitisch weiter unruhige Zeiten, die mit Rot/Grün nach gemachten Erfahrungen nicht zu meistern sein werden.

Stoibers Kompetenzteam lässt noch manche Wünsche offen: "Sehr männlich, sehr westlich, sehr ältlich", lautete eine besonders herbe Kritik. Wichtige Pläne und Zusagen der Union haben es zudem in sich. Geld für die Familien, Steuerentlastungen für alle. Da muss die Frage erlaubt sein, wer das in der Endabrechnung dann bezahlen wird?

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