"Kleine Zeitung" Kommentar: "Totgeschwiegen" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 18.06.2002

Graz (OTS) - Pleiten haben viele Ursachen. Nicht immer sind die Firmenchefs mit ihren Reitställen und goldenen Wasserhähnen schuld an der Misere - wie uns seinerzeit Bruno Kreisky weismachen wollte.

Im Fall von Libro stellt sich die Sache aber anders dar. Da versuchte ein "Visionär" namens Andre Rettberg aus einem Ableger des Billa-Konzerns einen der größten Musik- und Medienkonzerne im deutschsprachigen Raum zu zimmern. Aus dem Diskonter, der mit Schulartikeln und Billigbüchern groß geworden war, sollte eine "Tainment Company" werden, den Kunden versprach man alles auf einmal - und das sofort.

Libro übernahm Amadeus, das Internet, wollte ein Plattenlabel, einen Verlag und verkündete lautstark "Wir sind die Marktmacher" (Rettberg).

Dass das alles viel zu viel kostet und viel zu wenig hereinbringt, war nur ganz leise hinter vorgehaltener Hand zu hören. Was die Frage aufwirft: Hat der Aufsichtsrat zeitgerecht eingegriffen? Haben die Banken, die Abermillionen ins Experiment Libro pulverten, tausende Kleinaktionäre von Libro gewarnt?

Vielleicht ganz leise und ganz still. Wie sie sich jetzt in der ganzen Causa Libro verhalten. ****

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