VHS-Hietzing: Begegnung der besonderen Art

Wien, (OTS) Am Donnerstag, dem 20. Juni kommt es um 15 Uhr in der Volkshochschule Hietzing, 13., Hofwiesengasse 48, im Rahmen eines Treffens ehemaliger Schwarzwaldschülerinnen zu einer Begegnung der besonderen Art. Eugenie Schwarzwald gehörte in Wien zwischen 1901 und 1938 zu den bekanntesten Frauen der Stadt und prägte mit ihrer Schule hunderte Schülerinnen. Ihre Schülerin Antonie Neumann, die bereits kurz vor dem "Anschluss" Österreich 1938 verlassen konnte, überlebte den Krieg in Frankreich, ihr Bruder floh nach Australien. Bei der Lesung aus dem nun publizierten Tagebuch ihres Großvaters Jakob Ludwig Heller, das unter dem Titel "Längst vergessene Begebenheiten aus Alt-Österreich" erschienen ist, wird Antonie Neumann ihren 90jährigen Bruder wieder in Wien treffen.

Die Nazis haben nicht nur Menschen, sondern mit ihnen auch Geschichten vernichtet. Wenn diese Auslöschung verhindert werden konnte, so war dies in der Regel von vielen Zufällen begleitet. So war es auch mit der Geschichte der Familie von Jakob Ludwig Heller, geboren 1842 in Tepliz in Nordböhmen und gestorben 1921 in Bad Vöslau. Die Geschichte dieses Alt-Österreichers wäre vergessen, denn seine Tochter und deren Mann wurden in Auschwitz ermordet. Dass seine in Kurrentschrift verfassten Erinnerungen im Jahr 1939 nach Australien geschickt werden konnten, dass die Enkelin Antonie Neumann, eine Schülerin der legendären Schule von Eugenie Schwarzwald, die bereits im Februar 1938 Österreich verlassen hatte, mehr als ein halbes Jahrhundert später sich der mühsamen Arbeit der Transkription unterzog, ist ein Glücksfall. Was nun vorliegt ist ein Bericht aus einer anderen Welt, unspektakulär und berührend. Die Donaumonarchie scheint für die Juden fast eine Idylle gewesen zu sein, verglichen zu dem was folgte, Geldverdienen war ein vergnügtes Spiel, die Geselligkeiten einfach, die Erziehung streng. Als Kind erlebte Heller das Revolutionsjahr 1848, als junger Mann den für Österreich sehr bedeutungsvollen Konflikt von 1866, während seiner Hochzeitsreise bricht der Deutsch-Französische Krieg von 1870 aus und als alter Herr muss er noch die Katastrophe des I. Weltkrieges ertragen.

Die Geschichte ist auch die Geschichte eines hart erkämpften Aufstieges von kleinen Hausierern, die mit einem Budget von 5 Gulden in den dreißiger Jahren des 19 Jahrhunderts begonnen haben mit Messern, Kämmen und Seifen hausieren zu gehen und es innerhalb von einigen Jahrzehnten zu einem international tätigen Handelshaus gebracht hatten, mit 25 Angestellten, Commis, Lehrlingen und weiblichen Dienstboten.

Zum Buch

Längst vergessene Begebenheiten aus Alt-Österreich. Jakob Ludwig Heller 1842-1921. Erinnerungen veröffentlicht von seiner Enkelin Antonie Neumann sind erschienen im Novum Verlag 2001 (281 Seiten, Brosch., 23,90 EUR)

Eine Information über die Dauerausstellung über Eugenie Schwarzwald in der Volkshochschule Hietzing finden Sie auch unter
http://projekte.vhs.at/eSchwarzwald/ . Informationen in der
Volkshochschule Hietzing unter: Tel. 804 55 24, Internet:
http://vwv.at/ShowVhs.action?vhsId=278

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