- 16.06.2002, 08:00:04
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"profil": Österreicher für Kartellurteil gegen Österreichs Banken verantwortlich
EU-Kartellexperte Winterstein: "Konsumenten haben draufgezahlt" - Haider hatte mit Verfahren nichts zu tun
Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag
erscheinenden Ausgabe berichtet, zeichnet ein Österreicher für das
spektakuläre Kartellurteil der EU-Kommission vom 11. Juni 2002 gegen
acht österreichische Banken verantwortlich. Der promovierte Jurist
Alexander Winterstein hatte als leitender Mitarbeiter der
EU-Kartellbehörde "Generaldirektion IV/Wettbewerb" in Brüssel fünf
Jahre gegen die Banken ermittelt und jene Anklageschrift verfasst,
die schließlich zur Verurteilung über insgesamt 124,26 Mio. Euro
führte. Laut Winterstein, 34, hatte sich in den so genannten
Lombard-Runden "Ungeheuerliches" abgespielt. "Bei der Durchsicht der
Unterlagen hat es uns die Schuhe ausgezogen."
Die Rechtfertigungen der Banken, wonach die Absprachen nie
eingehalten worden seien, sind seiner Aussage nach "völliger Holler".
Winterstein gegenüber "profil": "Die Konsumenten haben draufgezahlt.
Wir haben beispielsweise nachgewiesen, dass Leitzinssenkungen in
mehreren Fällen verzögert an die Kunden weiter gegeben wurden. Das
kann man nur machen, wenn man sich abstimmt."
Unwahr seien Behauptungen des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider,
er habe den Lombard-Skandal mit einer Sachverhaltdarstellung Ende
Juni 1997 aufgedeckt. Winterstein: "Herr Haider hat das Verfahren
nicht ins Rollen gebracht. Als die Sachverhaltsdarstellung bei uns
einlangte, waren die Untersuchungen bereits eingeleitet." Demnach
hatte die Generaldirektion IV/Wettbewerb ihre Arbeit schon 8. Mai
1997, also fast zwei Monate vor Haiders Anzeige, aufgenommen.
Auslöser der Ermittlungen war eine dem Selbstmord von
Kontrollbank-Vorstand Gerhard Praschak und mutmaßliche illegalen
Preisabsprachen im Lombard-Club gewidmete "profil"-Titelgeschichte
vom 5. Mai 1997.
Rückfragehinweis: "profil"-Redaktion
Tel.: (01) 534 70 DW 2501 und 2502
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