Görg (2): "War immer mit Leib und Seele Obmann der Wiener ÖVP"

"Habe teilweise meine eigenen Ansprüche nicht erfüllen können"

Wien, 15. Juni 2002 - Am Beginn seiner Rede vor dem 30. ordentlichen Landesparteitag der Wiener ÖVP hielt der scheidende Obmann, DDr. Bernhard Görg fest, dass es sich für ihn persönlich um einen außerordentlichen Parteitag handle. "Als ich mich vor etwa drei Monaten entschlossen habe, dieses Amt abzugeben, habe ich diese Entscheidung leichten Herzens, wenn auch ausdrücklich nicht erleichtert getroffen", so Görg.

"Heute gebe ich zu, dass mir das Herz schwerer geworden ist. Ich habe zwar mein ganzes Leben versucht zu verbergen, dass ich ein Gefühlsmensch bin, heute werde ich es nicht versuchen, auch wenn dieser Imagewandel vermutlich zu spät kommt." Görg drückte den Delegierten und seinen Parteifreunden ausdrücklichen Dank dafür aus, dass er 10 Jahre lang an der Spitze der Wiener ÖVP stehen durfte. "Auch wenn immer wieder behauptet wird, dass das Amt des Wiener VP-Obmannes das schwierigste in der Volkspartei ist, ich habe meine Obmannschaft immer als Geschenk betrachtet und sie mit Leib und Seele ausgeübt."

Wiener Parteiobmann muss "mit wenig Sauerstoff auskommen"

Das Amt des Wiener VP-Obmannes sei oftmals "siedend heiß und Minuten später wieder eiskalt" gewesen. "Mich hat vor vielen Jahren aber der damalige Klubobmann Johannes Prochaska darauf hingewiesen, dass der Wiener Parteiobmann mit ‚wenig Sauerstoff‘ auskommen muss."

Görg versuchte in seiner Rede auch, die Grundprobleme der Wiener ÖVP zu skizzieren. "Die Primärtugend eines Parteiobmannes ist immer der Wahlerfolg. Die Funktionäre wählen ihren Obmann ja nicht, um ihm ein Geschenk zu machen, sie setzen viele Hoffnungen und Erwartungen in ihn und wollen diese auch erfüllt sehen."

"Ich wehre mich aber dagegen, dass die Wurzeln der Probleme der Wiener VP immer wieder in den angeblich schlechten Strukturen der Partei gesucht werden. Das ist schlicht und einfach falsch. Vor allem in personeller Hinsicht verfügt die Wiener Partei über großartige Ressourcen, dies beweist unter anderem, dass die Wiener VP das mit Abstand stärkste Team an Nationalratsabgeordneten - sowohl im Vergleich mit anderen Parteien als auch im Vergleich mit den anderen Bundesländerteams - stellt."

ÖVP sieht sich in allen Geschäftsbereichen als Nummer 1

Görg verglich die Arbeit der ÖVP mit dem Unternehmensleitbild eines Wirtschaftsunternehmen: "Wäre die Volkspartei ein Unternehmen, dann wäre der erste Satz des Unternehmensleitbildes: ‚Wir verstehen uns als Nummer 1 und streben die Marktführerschaft in allen Geschäftsbereichen an‘." Genau deshalb sei der Kanzleranspruch Wolfgang Schüssels ja auch so wichtig für die Partei gewesen.

"Die Wiener ÖVP konnte diesen Anspruch, nämlich Nummer 1 zu sein, zu keinem Zeitpunkt erfüllen. Darunter leidet natürlich auch das Selbstbewusstsein und das Selbstverständnis einer Partei." Der Abstand zur Wiener SPÖ habe - mit Ausnahme der ersten Wahl nach 1945 - immer mehr als 20 % betragen. Damit leitete Görg zur zweiten Wurzel der Probleme der Wiener VP über: "Es ist für eine Partei wie die Wiener VP problematisch, wenn sie akzeptieren muss, dass in Wien keine politische Mehrheit jenseits der SPÖ möglich ist. Es ist immer wichtig mehrere strategische Optionen zur Verfügung zu haben, ob man sie dann nutzen will, ist eine andere Frage. In einer Wiener Stadtregierung konnte die Volkspartei immer nur der Juniorpartner sein und auch das hat Probleme im Selbstverständnis der Funktionäre nach sich gezogen."

"Bin auf die Entwicklung meiner Wahlergebnisse nicht stolz"

In der Beurteilung seiner Amtszeit zeigte sich Görg durchaus auch sehr selbstkritisch: "Ich habe diese Partei mit 18 % übernommen und übergebe sie jetzt mit 16,4 % an meinen Nachfolger. Das ist eine Entwicklung auf die ich natürlich nicht stolz bin. In dieser Hinsicht habe ich meine eigenen Ansprüche nicht erfüllen können, auch wenn mit dem Regierungseintritt der Wiener ÖVP im Jahr 1996 ein wichtiger Schritt zur Demokratisierung dieser Stadt gesetzt worden ist. Aber auch dieser Regierungseintritt war eigentlich ein unverdientes Glück, weil er nicht durch unsere Stärke, sondern durch die Schwäche der SPÖ zustande gekommen ist."

"Wir haben damals mit einer Reihe von Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, von der fehlenden Regierungserfahrung angefangen bis hin zu den verkrustete Beamtenstrukturen in dieser Stadt. Ich bin aber der festen Überzeugung, dass wir diese Herausforderung wirklich gut bewältigt haben und dazu beigetragen haben, dass in dieser Stadt ein neuer Wind weht."

(Forts.)

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