Bankenskandal ohne Ende

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Gerhard Marschall

Wien (OTS) - Dummheit gehört bestraft. Österreichs Top-Banker haben nicht nur jahrelang heimlich Zinsen und Konditionen ausgedealt, sondern diese Absprachen hausintern - zum Teil schriftlich -weitergegeben. Jener geheimnisumwittere "Lombard-Club" war für die Branche so etwas wie die institutionalisierte Mauschelei. Das zeugt von Unverfrorenheit oder von Naivität. Jedenfalls war im österreichischen Bankenwesen bis vor kurzem die Sensibilität für Wettbewerb nicht sonderlich ausgeprägt.

Immer mehr bricht auch das ganze Lügengebäude der Banker in sich zusammen. Sie hatten bisher argumentiert, dass jene Tafelrunde ohnehin nur eine Ansammlung von Meineidbauern gewesen sei. Soll heissen: Niemand habe sich an die Vereinbarungen gehalten. Dem war offenbar nicht so und die Kunden wurden mit vereinten Kräften geprellt. Das verleiht einer Branche, deren Kapital in hohem Masse Vertrauen ist, nicht gerade Vertrauen.

Und jetzt kommt auch noch der Rächer aus dem Bärental! In seiner Kärntner Eremitage kommt Jörg Haider ein solcher Skandal klarerweise gelegen, kann er im Hinblick auf die Wahl im nächsten Jahr doch wieder einmal so tun, als sei er der einzige Garant für Moral und Ordnung im Lande. Haiders Methode ist hinlänglich bekannt und leider auch bewährt: Alles in einen Topf und unter kräftigem Umrühren zu einem dicken, übelriechenden Brei aufkochen. Nach diesem Rezept wird die Kartellabsprache jetzt aufbereit, wobei in der Wahl der schlechten Mittel ein neuer Tiefpunkt erreicht wird.

Haider scheut nicht einmal davor zurück, den Selbstmord des Kontrollbankers Gerhard Praschak für seine Zwecke auszuschlachten. Und der Justizminister ist mit von der Partie, als wolle er alle Vorbehalte gegenüber seinem Regierungseintritt und dem der FPÖ bestätigen. Dieter Böhmdorfer bläst voran mit zur Hatz auf einen ganzen Wirtschaftssektor, als wäre er noch immer Haiders Leibanwalt und als wäre Scharfmacherei Aufgabe eines Justizministers. Die Machinationen der honorigen Banker sind das eine.

Es gibt da nichts zu beschönigen, und eine Selbstreinigung ist, sofern sie noch nicht stattgefunden hat, unumgänglich. Die von der EU-Kommission verhängte Geldstrafe sollte das Ihre dazu beitragen. Das andere ist, wie Haider und Kampfgenossen die Causa schamlos politisch auszunutzen versuchen. Skandalös ist beides, über den Grad an Unappetitlichkeit lässt sich streiten...

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