Ausnahme-Musiker Harri Stojka spielt mit "Gitancoeur" am 22. Juni im RadioKulturhaus auf

Wien (OTS) - "Ich wollte unsere schöne Sprache Romanes mit
moderner Musik verbinden, um zu zeigen, dass ein Rom zu sein nicht automatisch Tradition, altmodische Rituale, Lagerfeuer, Pferdewagen usw. bedeutet." Der virtuose Jazz-Gitarrist Harri Stojka präsentiert am 22. Juni im RadioKulturhaus sein neues Programm "Gitancoeur" ("Zigeunerherz"). Eine großartige Reise durch die Geschichte der Roma mit den Mitteln einer Musik, die "funky" Keyboards, wuchtiges wie feinnerviges Gitarrenspiel, "soulige" Chöre und Swing-Sitars mit dem grandiosen Gesang der Eva Berky vereint.****

Fantastisches Bluesfeeling, immense gitarristische Technik mit spielerischer Souveränität dargeboten. Der weit über Österreichs Grenzen hinaus bekannte Gitarrist Harri Stojka spielt im RadioKulturhaus auf. "Ich kam nicht zur Musik, die Musik kam zu mir und zwar in Form der Beatles. Der Drive, die Fröhlichkeit, die gigantischen Persönlichkeiten. Das alles machte auf mich, damals sechsjährig, einen so großen Eindruck, dass es mich zu der Spielzeug-gitarre, die mir mein Vater geschenkt hatte, förmlich hinzog." Seine professionelle Laufbahn startete der Wiener Harri Stojka, der der weitverzweigten Lovara-Rom-Dynastie vom Stamm der Bagareschtschi entstammt, 1970 mit der Formation Jano + Harri Stojka in der Arena in Wien. Es folgten Auftritte mit Karl Ratzer, Eric Burdon, Carlos Santana und vielen anderen.

Mit seiner aktuellen Band "Gitancoeur", zu deutsch Zigeunerherz, -so nennt er auch seinen Abend im RadioKulturhaus - stellt er die Gipsy-Tradition in einen modernen Kontext und spannt einen weiten Bogen von Ethno-Jazz über Rock und Gipsy-Pop bis Hip-Hop. Sein erklärtes Ziel: Wegzukommen vom Klischee, dass Roma ausschließlich ihre alten Traditionen rund ums Lagerfeuer ausleben und mit Pferdewägen durch die Welt ziehen.

Die Vielfarbigkeit seiner Musik erklärt sich auch aus seiner Biographie: "Mein Vater war ein Jazz-, meine Mutter ein Elvis-Fan... Nur bei Familienfesten wurden die traditionellen Lieder unseres Stammes gesungen und viel getanzt. Darunter waren Lieder, voll ungebrochener Lebensfreude, aber auch Lieder mit extremsten Mollmelodien. Manche Lieder waren so Herz zerreißend, dass wir Kinder jedes Mal flüchteten. Bei diesen Weisen kamen unweigerlich die entsetzlichen Erinnerungen an das Leid, den Schmerz, an das Inferno der nationalsozialistischen Konzentrationslager hoch."

Die Geschichte der Roma beginnt vor Jahrhunderten in Nordindien, zieht sich über Zentralasien nach Mitteleuropa, weiter nach Spanien bis Südamerika. Diese Geschichte fließt in Stojkas Lieder mit ein -sowohl in die Musik als auch in den Text. Die Chronik der Roma ist nicht schriftlich fixiert, sie haben sie auf ihren Wanderungen und Fluchtwegen in Form von einzelnen Geschichten mit sich getragen und tragen sie immer noch. Und so werden auch ohne eigenes Land die eigenen Werte erhalten: humanistische Werte, wie Glück, Liebe, Freiheit - nicht Haben sondern Sein. In Stojkas Songs lebt diese Form des Geschichten-erzählens weiter. So heißt es in dem Titel "Dui Esera": "Jeden Tag kann man Menschen gegeneinander kämpfen sehen. Verschließe deine Augen nicht, sei realistisch, wir sollten die lange Reise zusammen machen, gut miteinander auskommen. Weißt du wie viele Menschen singen? Ich kann es hören! Die neue Welt ist nicht mehr weit weg. Schau nicht zurück. Blick in die Zukunft!"

Die Texte - sie stammen von Stojkas Schwester Doris Weinreich -werden von Eva Berky, einer slowakischen Vollblut-Rom, in Romanes, der bildhaften, poetischen Sprache des Volkes, gesungen. Diese Sprache ist gleichsam die Urmutter der heute gesprochenen Romadialekte. Bei großen Treffen der Roma und Sinti in der ganzen Welt, bei denen oft acht Tage und länger gefeiert und gesungen wird, ermöglicht diese Ursprache die Kommunikation zwischen allen Teilnehmern, die oft aus ganz anderen Ländern und Kulturkreisen stammen. Die Verwendung dieser Sprache in Verbindung mit Popmusik ist neu und einzigartig. Die Idee, diese Sprache so zu bewahren und sie in einen modernen Kontext zu setzen, verleiht der Musik einen eigenen Charme und Reiz.

"Gitancoeur" mit Harri Stojka u. a. findet am Samstag, den 22. Juni im Großen Sendesaal des RadioKulturhauses statt. Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: Euro 13,00/15,25. Wir freuen uns auf Ihr Kommen und bitten um Ihre Zusage unter der Telefonnummer 01/501 01/18175. Weitere Informationen zum Programm des RadioKulturhauses gibt es auf der Homepage http://kultur.orf.at/radiokulturhaus oder über das Kartenbüro (Tel. 01/501 70-377).(hb)

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