Das Paradies für Karrieristen

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Wolfgang Unterhuber

Wien (OTS) - Welches Land ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? Amerika? Falsch. Die richtige Antwort lautet:
Österreich. Ein paar Beispiele: In Amerika, so heisst es, sei es besonders einfach, so um das fünfzigste Lebensjahr herum nochmals eine neue Karriere zu starten.

Okay, mag sein. Aber in Österreich offerieren staatsnahe Betriebe wie ÖBB, Post oder Telekom viel reizvollere Chancen für einen Neubeginn. Zunächst heisst es "Ab in die Frühpension". Mit 48 oder so. Es geht natürlich auch früher. Dann stehen einem alle Möglichkeiten offen, deren Verwirklichung für die Wirtschaft besonders wertvoll ist.

Um die Krankheiten aus dem Berufsleben auszukurieren, gehen Frühpensionisten zum Beispiel Extrem-Klettern und kurbeln so den Tourismus an. Oder sie pfuschen ein bisschen. Das ist erstens auch Arbeit und zweitens sehr wichtig. Denn das so verdiente Geld wird ja wieder ausgegeben. Für die Errichtung eines Schrebergartens etwa. In dem lässt es sich dann gemütlich über die Sozialschmarotzer und die bösen Ausländer herziehen, die einem nur die Jobs wegnehmen.

Apropos Pfusch: Neuerdings werfen amerikanische Medien immer mehr Managern in ihrem Land vor, richtige Nieten zu sein und das Vertrauen der Investoren und Anleger zu missbrauchen. Eine richtige Hatz ist das. Die Herren sollten nach Österreich kommen. Da könnten sie sich als professionelle Schildbürger in den Chefetagen der Banken bewerben. Ihr Job wäre es, ein Zinskartell zu errichten, sich nicht an die Absprachen zu halten, das alles der Öffentlichkeit mitzuteilen und sich dann wundern, wenn der Bär(entaler) los ist.

Ebenso tolle Möglichkeiten bieten die defizitären Krankenkassen. Es geht nur darum, Rücklagen aufzulösen und Immobilien zu verkaufen -schon steht man als toller Sanierer da. Das ist exakt so, wie wenn ein Bauer, dessen Betrieb in den Miesen ist, seinen Grund verkauft und dann stolz ist, wenn sein ihm verbliebener Heustadl schwarze Zahlen schreibt.

Wen es in die Politik zieht, der sollte sich als Nationalrat versuchen. Da fallen einem ganz zufällig und urplötzlich Nebenjobs in der Pensionsversicherung in den Schoss. Das sagt zumindest der Super-GAUgg der FPÖ.

Nur bei einer Sache gilt es aufzupassen: Nationalräte sollten nicht länger besoffen über den Highway rasen. Da kennen die Parteichefs keinen Spass mehr. Richtig amerikanische Verhältnisse sind das...

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