Struzl: Österreichs Stahlindustrie 2001 über internationalem Trend

Wien (PWK415) - "Im Bereich der Rohstahlproduktion ist Österreich im vergangenen Jahr über dem internationalen Trend gelegen: Während im EU-Raum ein Rückgang um 2,9 Prozent auf 158,6 Mill. Tonnen zu verzeichnen war, konnte sich Österreich mit einem Anstieg um 2,8% auf 5,9 Mio. Tonnen behaupten", betonte heute, Donnerstag, Fachverbandsobmann Komm.Rat Dkfm. Franz Struzl. Hauptstahlverbraucher in der EU sei auch 2001 wieder die Automobilindustrie gewesen. Eine verbesserte Nachfrage war im Bereich Grobblech-Quartoblech zur Bedarfsdeckung des Energiesektors festzustellen. Die anderen Sektoren tendierten konjunkturbedingt etwas schwächer.

Generell sei der Absatz im Jahr 2001 aber zu einem großen Teil durch das anhaltend schlechte wirtschaftliche Umfeld beeinflusst worden. Ein sinkendes Preisniveau, vor allem durch die Konkurrenz ansteigender Drittlandexporte, und hohe Rohstoff- und Energiekosten, trübten das Gesamtergebnis, das an sich aber zufriedenstellend war. Der österreichische Stahlverbrauch ging 2001 um 7,6% auf 3,9 Mio. t zurück, was zum großen Teil durch Exportsteigerungen kompensiert werden konnte.

Deutliche Auswirkungen gab es auf dem Flachproduktesektor. Bei etwa gleichbleibender Produktion konnten die Versandmengen trotz des schärferen Wettbewerbs beinahe auf Vorjahresniveau gehalten werden. Die Erlöse kamen jedoch unter Druck. Der Preisdruck und die traditionell schwächeren Mengen im letzten Quartal führten insgesamt zu einem geringfügigen Umsatzrückgang. Im Jahresverlauf stiegen die Importe.

Der Langproduktesektor wies einen deutlich weniger zyklischen Geschäftsverlauf als der gesamte Stahlbereich bei gleichzeitig hoher Ertragsstabilität auf. Die Produktion hat sich um 6,2% auf 1,2 Mio. t erhöht. Die Schienenversandmenge konnte leicht gesteigert werden. Der guten Konjunkturlage folgend, lag auch die Liefermenge bei Nahtlosrohren über der des Vorjahres. Bei Walzdraht war die Nachfrage- und Preissituation im ersten Halbjahr noch als gut zu bezeichnen. Ab der Jahresmitte zeigte sich ein deutliches Absinken des Bedarfes sowie ein schlechteres Preisniveau. Bei Betonstahl war im Jahr 2001 ein guter Absatz zu verzeichnen. Die Preissituation war zufriedenstellend. Über das gesamte Jahr konnte eine volle Kapazitätsauslastung gehalten werden.

"Ein deutlicher Abwärtstrend im Jahresverlauf 2001 zeigte sich in der Edelstahlindustrie, der durch die Auswirkungen des 11. September beschleunigt wurde", berichtete Vorstandsdirektor Mag. Johann Weigand von Böhler Edelstahl. Auf dem Flachproduktesektor habe die internationale Nachfrageabschwächung das Ergebnis gedrückt. Die kritische Situation bei den klassischen Absatzsegmenten wie Werkzeugstahl, Spezialitäten- und Pressblechen wurde noch durch eine äußerst prekäre Entwicklung der Elektronikindustrie überlagert. Ausgeglichen habe diese negative Entwicklung eine Reihe von Projektbedarfsfällen bei rostfreien Spezialitäten und Nickelbasislegierungen.

Auf dem Langproduktesektor zeigte sich nur bei den Sonderwerkstoffen eine anhaltend gute Nachfrage, während sich bei Schnellarbeitsstahl und Werkzeugstahl die positive Entwicklung des 1. Halbjahres in der 2. Jahreshälfte deutlich verlangsamte. Der hohe Auftragspolster bei Schnellarbeitsstahl bis Jahresmitte reduzierte sich im Laufe des Jahres stark.

Im Bereich Werkzeugstahl hat die Automobilindustrie als größter Abnehmer im Jahr 2001 gegenüber dem Vorjahr an Volumen verloren. Zusätzlich hat sich die geringe Nachfrage im Elektronikbereich auf die Verbraucher im Werkzeug- und Formenbau negativ ausgewirkt.

Weiter ausgebaut werden konnte der Markt für pulvermetallurgische Schnellarbeitsstähle. Bei den Sonderwerkstoffen war über das gesamte Jahr eine hohe Nachfrage zu verzeichnen. Das Segment Energietechnik konnte sich durch den Boom beim Bau von Neuanlagen und Ersatzteilen weiter festigen. Das Segment Automotive war geprägt durch die Rückgänge in der Automobilproduktion. Im Bereich Luftfahrt konnte der Absatzumfang gegenüber dem Vorjahr weitestgehend beibehalten werden. Auf dem Schmiedesektor wurden sehr gute Erfolge erzielt.

"Für 2002 erwarten wir in Österreich ein leicht steigendes Volumen bei der Rohstahlproduktion. Der Stahlverbrauch wird ebenfalls geringfügig zunehmen. Weltweit rechnen wir aber mit einem Anstieg des Stahlverbrauches um 3,3%. Für die Länder der Europäischen Union wird eine Steigerung des Stahlverbrauches um 2,3% auf 145 Mio. t prognostiziert", so Struzl. Das 1. Halbjahr 2002 ist im EU-Durchschnitt als Tiefpunkt der hauptsächlichen Stahlverbrauchssektoren anzusehen. Die Nachfrage wird sich voraussichtlich gleichzeitig mit dem Wirtschaftsklima im 2. Halbjahr 2002 verbessern. Steigen werde jedenfalls das EU-weite Investitionsniveau, aber erst gegen Jahresende. Für 2002 wird auch mit einer Zunahme der Stahleinfuhren gerechnet, zu der auch die US-Importrestriktionen für Stahl beitragen werden.

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