Politische Bildung für alle jenseits von Parteigrenzen

Lehrer lernen gemeinsam mit Politikern, Bundesheeroffizieren und Pfarrern

Wien (OTS) - Der Stellenwert politischer Bildungsarbeit hat sich
in den letzten Jahren erhöht. Welche Ausbildung haben aber 120.000 österreichische Lehrer, die das Unterrichtsprinzip Politische Bildung in allen Schultypen und Fächern berücksichtigen sollen? Wie sind Erwachsenenbildner, Lehroffiziere im Bundesheer, Sozialarbeiter usw. qualifiziert, mündige Bürger zu erziehen? Mit welcher speziellen Zusatzausbildung vermitteln Politiker, Betriebsräte oder Vertreter kirchlicher Organisationen Inhalte zur Erhöhung des Demokratiebewußtseins?

Das Institut für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF) der Universität Innsbruck präsentiert sein Jahresprogramm des Lehrgangs Politische Bildung, der auch als Master of Advanced Studies (Civic Education) abgeschlossen werden kann, und sich an alle angesprochenen Zielgruppen richtet. Im Studienjahr 2002/2003 gibt es 13 Seminare, die auch einzeln besucht werden können, österreichweit stattfinden und meistens als Blockveranstaltung eine Woche dauern. Die Veranstaltungen beinhalten u.a. Macht und Kontrolle der Staatsgewalten, Menschen- und Grundrechte, das Verhältnis von Wirtschaftspolitik und Sozialstaat, sowie die Strategien der Parteien im Wahljahr 2003. Außerdem gibt es ein virtuelles Seminar über Internet und Politik.

Die Offenheit des Lehrgangs für unterschiedliche Berufsgruppen ist in Österreich einzigartig. Der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier erklärt: "Allzu oft wird Politische Bildung auf den jeweiligen Elfenbeinturm beschränkt. Wissenschaftler analysieren auf der Uni, Lehrer unterrichten in der Schule, Soldaten erziehen in der Kaserne, und Betriebsräte kennen ihre Arbeitswelt. Warum sollen sie nicht gemeinsam ihre Erfahrungen mit der Politik einbringen?" Der Lehrgang lebt von der Möglichkeit, aktuelle Themen der Politischen Bildung aus unterschiedlicher Sicht zu diskutieren, aber in größeren Zusammenhängen systematisch zu analysieren.

Gleichermaßen einmalig sind die Kooperationspartner des IFF. Der Lehrgang wird durch das Bildungsministerium unterstützt, Mitveranstalter einzelner Seminare sind jedoch sowohl die Politische Akademie der ÖVP und die Grüne Bildungswerkstatt als auch das "blaue" Verteidigungsministerium und die "rote" Arbeiterkammer. Filzmaier dazu: "Endlich ist es gelungen, das beliebte Farbenspiel Politische Bildung mit einem roten, schwarzen, blauen oder grünen Mascherl zu beenden."

Von besonderer Bedeutung ist, dass die Teilnehmer ihrerseits Politische Bildung weitervermitteln. Politikwissenschaftler Anton Pelinka: "Politische Bildung ist die Kunst, sowohl fachspezifische Inhalte als auch die Fähigkeit zu lehren, das gelernte Wissen in der beruflichen Praxis umzusetzen. Rechtsradikale Tendenzen, Menschenrechtsverletzungen oder auch Politikverdrossenheit sind gesellschaftliche Problemfelder, die nicht durch ein Auswendiglernen von Fakten zu lösen sind. Wer Politische Bildung unterrichtet, muss als Multiplikator mithelfen, die Lösungskompetenz für Probleme zu erhöhen."

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Institut für interdisziplinäre Forschung und Fortbildung/IFF, Abteilung Poli
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kathrin.stainer-haemmerle@uibk.ac.at
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