Rieder präsentiert Wiener Arbeitsmarktoffensive für Jugendliche

Wien, (OTS) Als Ergebnis des Sozialpartnergipfels zur Situation am Wiener Arbeitsmarkt präsentierte am Mittwoch Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder gemeinsam mit KR Walter Nettig, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch, AK-Präsident Mag. Herbert Tumpel sowie dem Geschäftsführer der Industriellenvereinigung, Dr. Thomas Oliva, ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Förderung der Ausbildung und Qualifikation junger Menschen, als auch zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit.

Sozialpartner und Stadt Wien sind sich einig, dass es ungeachtet des Maßnahmenpaketes notwendig sein wird, dass die Arbeitsmarktverwaltung des Bundes rechtzeitig eine größere Zahl an Auffangausbildungsplätzen einschließlich der Finanzierung sicherstellt. "In dieser Hinsicht werde ich mich auch noch persönlich an Arbeitsminister Bartenstein wenden, weil es notwendig ist, das Jugendausbildungssicherungsgesetz dazu entsprechend zu adaptieren und für Finanzmittel vorzusorgen", betonte Rieder.

In drei Verhandlungsrunden hat die Stadt Wien mit Vertretern der Wirtschaftskammer Wien, der Industriellenvereinigung, der Arbeiterkammer, des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, des Arbeitsmarktservice Wien, des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds -WWFF und des Wiener ArbeitnehmerInnenförderungsfonds - WAFF unter Mitwirkung von Wirtschaftsforschern folgendes Maßnahmenpaket erarbeitet:

Verbesserung der kurz- und mittelfristigen Lehrstellensituation in Wien und der Erhöhung der Chancen auf Ausbildung und Beschäftigung für arbeitslose Jugendliche

1. Einrichtung einer "Wiener Clearingstelle für Berufsqualifizierung"

Zur gemeinsamen Beurteilung von Zukunftschancen von Arbeitnehmerqualifikationen, insbesondere von jungen Menschen, soll im Hinblick auf die Entwicklung der einzelnen Wirtschaftsbranchen mit einem zeitlichen Vorlauf von zwei Jahren Empfehlungen formuliert werden. In diesem Fachgremium sollen
Experten der Sozialpartner, des AMS, des WAFF und insbesondere der Wirtschaftswissenschaft (WIFO und IHS) sitzen.

2. Gemeinsames Bekenntnis zum dualen Ausbildungssystem

Die duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule ist nach wie vor ein Erfolgsmodell. Obwohl in Wien bundesweit die stärkste Konzentration von berufsbildenden mittleren und höheren Schulen anzutreffen ist, schlagen rund ein Drittel aller Schulabgänger den Weg zur Lehre ein. Die Sozialpartner und die Stadt Wien bekennen sich zum Ziel, dass alle lehrstellensuchenden Jugendlichen, die für eine Lehrlingsausbildung geeignet sind, auch eine Lehrstelle erhalten sollen. Um dieses ambitionierte Ziel erreichen zu können, schlagen Sozialpartner und die Stadt Wien ein Paket von Maßnahmen vor, das sich in vier Bereiche gliedert:
o Verbesserung der Berufsinformation und -vorbereitung
o Initiativen für mehr Ausbildungsplätze
o Verbesserung der Vermittlung
o Maßnahmen für Jugendliche, die keine Lehrstelle finden

3. Maßnahmen zur Verbesserung der Berufsinformation und -vorbereitung

Ein Teil der Probleme am Lehrstellenmarkt ist auf mangelnde Berufsorientierung und Berufsinformation der Jugendlichen und ihrer Eltern zurückzuführen. Dies führt auf der einen Seite zu einer starken Konzentration der Berufswünsche auf wenige "Modeberufe", auf der anderen Seite zu Bewerbermängeln in manchen Branchen. So ergibt sich aus einer Studie im Auftrag der AKWien, dass über 50% der befragten Schulabgänger (Pflichtschule und AHS-Unterstufe) über mangelnde Berufsorientierung klagen.

o 3.1. Regionale Berufsinformationsveranstaltungen in Wien Sozialpartner und Stadt Wien begrüßen die Idee von regionalen Berufsinformationsveranstaltungen wie sie bereits von einigen Bezirken gemeinsam mit den Berufsinformationszentren des AMS
und regionalen arbeitsmarktpolitischen Verbünden durchgeführt werden (Floridsdorf, Margareten), und unterstützen diese Aktionen, indem sie Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen und nahestehende Institutionen zur Teilnahme motivieren und einbinden.
o 3.2. Aktion "Gratis Berufsinfoscheck der Wirtschaftskammer" an Schüler der 8.+ 9. Schulstufe

Die WKW hat mit dem BIWI die kompetenteste Anlaufstelle für die Berufsinformation in Wien. Mit einem "Gratis Berufsinfoscheck der Wirtschaftskammer" können sich ab sofort alle Lehrer der 8.+9. Schulstufe an das BIWI wenden und einen Termin zum Thema Berufswahl mit ihren Schülern vereinbaren.

o 3.3. Gemeinsame Marketingaktivitäten für neue Lehrberufe bei potentiellen Ausbildungsbetrieben

In den letzten Jahren sind rund 100 Lehrberufe durch die Sozialpartner neu vorgeschlagen oder inhaltlich überarbeitet worden. Aufgrund der zahlreichen Änderungen haben viele potentielle Ausbildungsbetriebe noch Informationsdefizite über die neuen Ausbildungsmöglichkeiten. Die Sozialpartner und die Stadt Wien werden daher - unter Einbeziehung des AMS - ihre Informationsaktivitäten verstärken und auch gemeinsame Marketingaktivitäten in besonders zukunftsträchtigen Berufen setzen.

4. Maßnahmen zur Motivation von Ausbildungsbetrieben

o 4.1. Förderung der Ausbildung in Zukunftsbranchen
Neue Branchen, in denen Klein- und Mittelbetriebe dominieren, fehlt es oft an Ausbildungserfahrung für die Lehre und an Know How über neue Lehrbilder. Hier soll die Ausbildung der
Ausbilder unterstützt werden.

o 4.2. Ausbildungsverbünde
Es soll die Zusammenarbeit von Ausbildungsbetrieben
untereinander und mit geeigneten Partnern gefördert werden. Dadurch können positive Anreize sowohl an potentielle Ausbildungsbetriebe, die bisher nicht ausgebildet haben, als
auch bei bestehenden Ausbildungsbetrieben zum beschleunigten Umstieg in modernisierte Berufsbilder gegeben werden. Durch die Stimulierung eines Nachfragemarktes nach betrieblichen Kooperationen in der Ausbildung können bestehende Lehrwerkstätten besser ausgelastet und damit für die Zukunft abgesichert werden.

o 4.3. Modellversuche
Zu den Punkten 4.1. und 4.2. soll es die Vorschläge unächst in Modellversuchen einer Lehrausbildung mit Unterstützung aus Mitteln der Stadt Wien (Wiener Arbeitsnehmerförderungsfonds -WAFF) die Vorschläge erprobt, evaluiert und gegebenenfalls verbessert werden. Dies soll dann die Grundlage für die Neuregelung im Rahmen der Wirtschaftsförderung und Arbeitnehmerförderung sein.

5. Maßnahmen zur Verbesserung der Vermittlung

o 5.1. Online-Lehrstellenbörse der Wirtschaftskammer
Je schneller und besser die richtigen Partner zur Ausbildung zusammenfinden, umso geringer ist die Frustration der Jugendlichen, aber auch der Ausbildungsbetriebe. Dabei geht es nicht nur um die fachlichen Fähigkeiten und Interessen, sondern auch um die persönliche "Chemie" zwischen Lehrling und Ausbilder. Da ein wesentlicher Teil der Lehrstellen nicht über das AMS bekannt gegeben wird, leistet die Wirtschaftskammer mit der Schaffung einer kostenlosen Online-Lehrstellenbörse einen Beitrag zur Verbesserung der Transparenz auf dem Lehrstellenmarkt.

o 5.2. Monatsstatistik zum Lehrstellenmarkt nach Altersgruppen Vorgeschlagen wird eine ergänzende Darstellung zum Lehrstellenmarkt durch das AMS vor, die zwischen den verschiedenen Altersgruppen (bis bzw. über 19 Jahre) unterscheidet und die in Schulung befindlichen Jugendlichen getrennt ausweist. Damit wird eine vertiefte Diskussion und Erhöhung der Zielgenauigkeit von Maßnahmen ermöglicht.

o 5.3. Heranziehen externer Eignungsverfahren durch das AMS
Um die Treffsicherheit der Vermittlung lehrstellensuchender Jugendlicher zu erhöhen und vor allem die Chancen jener Jugendlichen zu verbessern, die mit schlechten Schulnoten auf Lehrstellensuche sind, schlagen Sozialpartner und Stadt Wien
den verstärkten Einsatz von Eignungsverfahren im Zuge der Lehrstellenvermittlung durch das AMS vor.

6. Maßnahmen für Jugendliche, die keine Lehrstelle finden

o 6.1. Berufsorientierungs- und Coachingkurse (BOCO-Maßnahmen)
Vor einer allfälligen Zuweisung von Jugendlichen in Lehrgangsplätze sollten über das AMS in ausreichendem Ausmaß Kurzkurse für lehrstellensuchende Jugendliche durchgeführt werden, die einer Verbesserung der Berufswahl und des persönlichen Auftretens dienen und Mängel in der Lehrver tragsreife ausgleichen helfen.

o 6.2 Forcieren der Möglichkeit zur Nachholung des Hauptschulabschlusses
Jugendliche ohne abgeschlossene Hauptschule erfüllen zumeist nicht das Anforderungsprofil der Ausbildungsbetriebe und haben erfahrungsgemäß besondere Schwierigkeiten, eine Lehrstelle zu finden. Daher sollten die Möglichkeiten zum Nachholen des Hauptschulabschlusses ausgebaut werden.

o 6.3. Berufseinstieg für benachteiligte Jugendliche
Sozialpartner und Stadt Wien sprechen sich dafür aus, gemeinsam ein Instrument für Jugendliche, die (noch) nicht für eine Lehrlingsausbildung geeignet sind, zu entwickeln, das diesen einen praxisgerechten Weg des Berufseinstieges ermöglicht.

Diese Forderung richtet sich an den Bund, der für die Verlängerung des Jugendausbildungssicherungsgesetzes sorgen muss. Wie im Vorjahr ist die Stadt Wien bereit, sich an diesen Ausbildungskosten angemessen zu beteiligen.

o 6.4. Verhandlungen über die Fortführung des Auffangnetzes (Lehrgänge)
Die Sozialpartner und die Stadt Wien gehen davon aus, dass im Spätherbst für Jugendliche, die keine Lehrstelle gefunden haben, auch heuer wieder eine ausreichende Anzahl von Auffangplätzen in Lehrgängen zur Verfügung stehen sollten.

7. Einberufung der Qualifizierungsplattform der Wiener Fachhochschulen

Mit diesem Beratungsgremium für die bedarfs- und projektbezogene Entwicklung von Lehrgängen bzw. zusätzliche Einrichtung von Lehrgangsmodulen soll die nachfrageorientierte Qualifizierung zusätzlich verbreitert werden. Dabei soll besonders die Kooperation von Universitäten und Fachhochschulen verstärkt werden.

8. Weitere Zielsetzung

Im Herbst soll erstmalig ein gemeinsamer Sozialpartnergipfel der Region Ost (Niederösterreich, Burgenland, Wien) stattfinden, bei dem aufgrund der starken Wirtschafts- und Arbeitsmarktverflechtungen gemeinsame Maßnahmen in Angriff genommen werden sollen. (Schluss) mmr

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