Wien setzt auf Förderung der "Creative Industries"

1,5 Mio. Euro im Rahmen der Wiener Technologieoffensive "wiennovation"

Wien, (OTS) "Wien verfügt über ein ausgezeichnetes Potenzial im Bereich der kreativen Industrien" betonte am Mittwoch Wiens Finanz-und Wirtschaftsstadtrat Dr. Sepp Rieder im Rahmen der Präsentation des Calls "Creative Industries". "Schon heute arbeiten in Wien rund 60.000 Menschen im Kultursektor, österreichweit rund 140.000. Mit unserem Call im Rahmen der Wiener Technologieoffensive ´wiennovation´ wollen wir die Kreativen unserer Stadt darin unterstützen, ihre Talente auch vermehrt wirtschaftlich nutzbar zu machen. Deshalb kommen auch ausschließlich Mittel der Wirtschaftsförderung zur Auszahlung, denn wir wollen bewusst die klassische Kulturförderung nicht substituieren."****

An der Präsentation nahmen neben Rieder der Präsident der Wirtschaftskammer Wien, KR Walter Nettig, sowie der Klubobmann der Wiener Grünen, Mag. Christoph Chorherr, teil.

Insgesamt 27,5 Mio. Euro für "Wiennovation"

Der Call "Creative Industries" ist eine Ausschreibung, in deren Rahmen innovative Projekte mit bis zu 250.000 Euro gefördert werden. Zusätzlich werden für die besten Projekte nochmals Preisgelder in Höhe von 5000 bis 15.000 Euro vergeben. Insgesamt stehen für den Call "Creative Industries", der vom Wiener Wirtschaftsförderungsfonds organisiert und durchgeführt wird, 1,5 Mio. Euro zur Verfügung. Der Call "Creative Industries" ist, wie der bereits vorgestellte Call "Life Science", Teil der Wiener Technologieoffensive "wiennovation", für die im Jahr 2002 die Rekordsumme von 27,5 Mio. Euro vorgesehen ist. Die formelle Einreichfrist für Kreativprojekte dauert von 20. bis 27. September 2002, schon jetzt können aber alle relevanten Informationen unter anderem über die Info-Line 596 38 88 (Mo. bis Fr. 9 - 18 Uhr) oder über call@wiennovation.at abgerufen werden. Nach Ablauf der Einreichfrist entscheidet eine international besetzte Jury, unter Vorsitz der früheren Programmintendantin des ORF, Mag. Kathrin Zechner, über die Förderzusagen innerhalb von zwei Monaten. Im Dezember werden Wiens innovativste kreative Projekte öffentlich ausgezeichnet werden.

Wesentlich ist den Beteiligten auch der Lerneffekt durch diese Ausschreibung. Nach dem ersten Jahr des Calls wird eine gemeinsame Evaluierung durchgeführt werden, um mögliche Adaptionen im Programm festzulegen. Wichtig ist, dass gerade jene Akteure der Creative Industries, die bislang kaum Kontakt mit der Wiener Wirtschaftspolitik hatten, hier in einen Dialog treten können.

Nettig: Potenzial der kreativen Industrien noch nicht ausgeschöpft

Nettig: "Analysen der Wirtschaftskammer gehen davon aus, dass in Wien derzeit mindestens fünf Prozent der Unternehmen im Bereich Creative Industries tätig sind. Wir sprechen also von 4000 Wiener Betrieben mit rund 20.000 Beschäftigten allein im rein marktwirtschaftlichen Segment, den öffentlichen und halböffentlichen Sektor noch gar nicht mitgerechnet. Daher kann Wien schon heute einen Anteil von 40 Prozent aller österreichischen Betriebe und mehr als 50 Prozent der bundesweiten Umsätze an sich ziehen. Und an Hand der Umsatzsteuerstatistik kann man herauslesen, dass der Bereich der kreativen Industrien in den vergangenen Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum erzielt hat und das vorhandene Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist.

Nettig wies auch auf die erfolgreiche Marketinginitiative "Wien Products" hin, die kürzlich um einen neuen Cluster "Performance of Vienna" erweitert worden sei. Unter diesem gemeinsamen Dach befänden sich Institutionen, wie die Wiener Sängerknaben, die Wiener Symphoniker, die Spanische Hofreitschule u.a.. "Gleichzeitig wollen wir gemeinsam mit der Stadt Wien aber auch das Qualifikationsniveau in diesem Bereich steigern. Geplant ist daher ein Fachhochschullehrgang ´Wissensmanagement, Informations- und Kulturvermittlung mit neuen Medien", der von der Stadt Wien mit 1,3 Mio. Euro finanziert und von einer Betreibergesellschaft der Wirtschaftskammer Wien angeboten werden soll. Derzeit läuft die Begutachtung beim Fachhochschulrat, und wir hoffen mit einem Start spätestens im Herbst 2003", betonte Nettig.

Chorherr: Wiener Wirtschaft öffnet sich zukunftsträchtigen Bereichen

Für den Klubobmann der Wiener Grünen, Christoph Chorherr, ist diese Ausschreibung ein erster Schritt, aus wirtschaftlicher Sicht die Creative Industries wahrzunehmen, deren Rahmenbedingungen zu verbessern, und gegenseitig zu lernen. "Die Wiener Wirtschaftspolitik öffnet sich hier einigen der wesentlichen und zukunftsträchtigsten Bereichen, die bislang gerade aufgrund ihrer Vielfalt und unterschiedlichen Strukturen schwer in Förderprogrammen zu erfassen waren" erläuterte Chorherr.

Sieben bis acht Prozent der Wienerinnen arbeiten im Kulturbereich

Unter "Creative Industries" versteht man jene Wirtschaftszweige, die durch Nutzung des geistigen Eigentums, durch individuelle Kreativität und Erfindungsgeist Potenzial für wirtschaftlichen Wohlstand und Wertschöpfung bieten. Ausgehend von Großbritannien kommen entsprechenden Initiativen international große Bedeutung zu, vor allem auch an hochentwickelten Wirtschaftsstandorten wie Wien, die nicht mehr ausschließlich auf eine rein kostenorientierte Massenproduktion im Sachgüterbereich setzen können.

International schwankt die Bedeutung der sogenannten "urheberrechtsbezogenen Wirtschaftszweige" je nach Definition zwischen 2 und 6 Prozent des BIP. In Österreich werden im Bereich Kultur und Unterhaltung etwa 140.000 Arbeitskräfte beschäftigt, das sind rund 4 Prozent der Gesamtbeschäftigung. Alleine in der Musikwirtschaft, für die konkrete und aktuelle Zahlen vorliegen, werden rund 2,3 Mrd. Euro, das sind etwa 1,25 Prozent des BIP, erwirtschaftet. Alleine in Wien sind 7 bis 8 Prozent der Beschäftigten dem Kultursektor zuzuordnen, also etwa 60.000 Menschen.

Gesucht: Die besten und kreativsten Projekte Wiens

Die Zielgruppen und die Inhalte der aktuellen Ausschreibung zu den "Creative Industries" sind bewusst sehr breit definiert. Dadurch ist gewährleistet, dass alle Facetten dieses Sektors, der sich nicht genau eingrenzen lässt, berücksichtigt werden können. Eingereicht werden können innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte unter Verwendung neuer Medien aus dem Bereich Kunst und Kultur. Angesprochen sind beispielsweise folgende Bereiche: Grafik und Design, Musik, Multimedia, Architektur, Fotografie etc. Grundsätzlich gilt aber: Die möglichen Gebiete und Projekte können und sollen so vielfältig sein wie das kreative künstlerische Potenzial.

Förderung ohne "Amtskappel": Mitmachen leicht gemacht

Gerade Kreative haben oft eine gewisse Distanz vor den Institutionen von Politik und Verwaltung und deshalb oft auch wenig Erfahrung mit den Instrumenten der Wirtschaftsförderung. Um die Hemmschwelle zur Teilnahme am Call möglichst niedrig zu halten, wurde besonderes Augenmerk auf eine unbürokratische und möglichst unmittelbare und individuelle Abwicklung der Ausschreibung gelegt. So wurde das Antragsformular mehrmals eingehend auf seine Verständlichkeit geprüft und ist ab Anfang Juli als ausgefülltes "Musterformular" unter call@wiennovation.at jederzeit abrufbar. Individuelle Beratung gibt es ab sofort unter der Info-Line 596 38 88 (Mo. bis Fr. 9 - 18 Uhr). Eine erste Informationsveranstaltung zum Call "Creative Industries" findet am Donnerstag, dem 20. Juni, um 20 Uhr im Architekturzentrum Wien im Museumsquartier statt. Weiters wird der WWFF ab Anfang Juli für die Zeit der Einreichungen Berater zur Verfügung stellen, die auf Kosten des WWFF professionelle Beratung bei der Erarbeitung der Einreichunterlagen durchführen werden.

Wiennovation: Gezielt und schnell fördern statt der "Gießkanne"

Die Wiener Technologieoffensive "wiennovation" kennzeichnet auch eine Abkehr vom Gießkannenprinzip bei Förderungen hin zu einem leistungsorientierten System der substanziellen Förderung qualitativ hochwertiger Projekte. Allein für 2002 steht im Rahmen von "wiennovation" die Rekordsumme von 27,5 Mio. Euro zur Verfügung.

Ein weiterer entscheidender Vorteil der Calls ist die garantierte Bearbeitungszeit von zwei Monaten, sowie die Möglichkeit, Vorschüsse bis zur Höhe von 50 Prozent der Gesamtfördersumme auszuzahlen. Die Förderquote beträgt je nach Charakter des eingereichten Projektes 25 bis 60 Prozent der Projektsumme, bis zu maximal 250.000 Euro pro Projekt. Gefördert werden dabei ausschließlich Personalkosten. Zusätzlich erhalten die drei besten Projekte Preise: Der Sieger 15.000 Euro, der Zweite 10.000 Euro und der Drittplatzierte 5000 Euro.

Prominente Jury entscheidet

Die besten und kreativsten Projekte werden von einer renommierten internationalen Jury unter Leitung der früheren ORF-Programmintendantin Mag. Kathrin Zechner ausgewählt.

Die weiteren Jurymitglieder sind unter anderem:
o Monique van Dusseldorp, Amsterdam, New-Media-Spezialistin
o Heikki Masalin, Helsinki, Geschäftsführer des einzigen europäischen Venture Fonds für Creative Industries
o Virgil Widrich, Wien, Regisseur, Preisträger von 25 Preisen und Oscar-nominiert für seinen Kurzfilm "Copy Shop"

o Service:
Call "Creative Industries":
Einreichfrist: 20. bis 27. September 2002
Infos ab sofort unter:
call@wiennovation.at
oder unter der
Info-Line 596 38 88 (Mo. bis Fr. 9 - 18 Uhr)
"Call Briefing" am 20. Juni, 20 Uhr, im Architekturzentrum Wien im Museumsquartier

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