"Kleine Zeitung" Kommentar: "Entmündigung" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 12.06.2002

Graz (OTS) - Was meinte Thomas Klestil, als er beim Jubiläum des Raiffeisenverbandes von "Lagerdenken" sprach?

Da Klestil sich nicht näher erklärte, belehrt uns Josef Cap: Gemeint ist die Regierung, die durch ihre bloße Existenz schon "polarisiert". Es müsse nach der Wahl auch rot-grün oder rot-schwarz möglich sein. Wer hätte das je bestritten?

Blau darf in der österreichischen Demokratie nach Josef Cap überhaupt nicht vorkommen und nach Thomas Klestil höchstens in der Kombination mit rot, keinesfalls mit schwarz. Letzteres wäre dann "Lagerdenken".

Klestil warnte bei seiner Raiffeisen-Rede auch vor einer "Entmündigung" der Wähler. Interessant.

Was tut er selbst denn anderes, als die Wähler zu entmündigen, wenn er sich öffentlich mit zwei hochmögenden politischen Freunden trifft, um über Koalitionen nach der nächsten Wahl zu beraten?

Kann er damit nicht wenigstens warten, bis die Wahl stattgefunden hat?

Und wer hat denn beim letzten Mal die Wähler entmündigt, indem der unbedingt eine rot-schwarze Koalition durchdrücken wollte, obwohl auch eine andere möglich war?

Klestil verwechselt immer den Wählerwillen mit seinem eigenen. ****

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