Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Bush-Doktrin: Erstschlag

Ausgabe vom 12. Juni 2002

Klagenfurt (OTS) - Die Terrorbedrohung macht Angst. Doch die internationale Bedrohung durch George W. Bush neun Monate nach dem 11. September versetzt in Angst und Schrecken. Nach der Ausrufung eines alles verschlingenden Heimatschutz-Monsterministeriums, das mit einer umfassenden Informations- und Machtfülle gegen das bürgerliche Individuum ausgestattet sein wird, setzte gestern der amerikanische Präsident der seit 50 Jahre geltenden weltpolitischen Ära der Abschreckung ein jähes Ende. George W. Bush vertraut nicht mehr auf die Abschreckung, er propagierte den Erstschlag.

Und das nur Stunden, nachdem der Justizminister die Nation entsprechend verängstigt hatte. Es sei ein Anschlag mit einer "schmutzigen Bombe" vereitelt worden. Dass der Verdacht recht dünn ist und der Verdächtige jeglicher Rechtfertigung und jeglichem Recht vorsorglich entzogen wurde, interessierte nicht mehr. Der emotional-politische Boden für den Erstschlagbeschluss war geebnet.

Bush ändert damit nicht nur eine Militärdoktrin, die die Welt immerhin stabilisiert hat, er maßt sich und den USA unter dem angeblich alles entschuldigenden Hinweis auf den Terror nunmehr an, allein zu entscheiden, wann wer wie und wo präventiv - und sei es mittels der Atombombe (der sauberen natürlich) - umzubringen ist. Bush und seine Administration haben jede Beißhemmung verloren. Die Abschaffung der Abschreckung gilt logisch auch für die übrige Welt und damit die Erstschlagdoktrin. Ein Horrorszenario, das Osama bin Laden nicht besser erfinden hätte können.

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