Incoming-Büros pochen auf mehr Anerkennung

Gordon: Schon 30 Prozent des Branchenumsatzes entfällt auf das Incoming - Kritik an EuGH-Praxis und an Ausdehnung der Gewährleistung auf zwei Jahre

Wien (PWK402) - Die lokalen und regionalen Tourismus-Werbeorganisationen in den Ländern kooperierten zu wenig mit den Incoming-Reisebüros. "Die Werbung geht nicht Hand in Hand mit den Produzenten. Es gibt viele schöne Prospekte, gefragt sind aber Verkaufskataloge mit buchbaren Angeboten und Packages mit konkreten Preisen. Auch werden wir zu wenig in die Vorbereitung von Werbeaktionen einbezogen", kritisierte Kandidus Graiff, Vorsitzender des Incoming-Ausschusses, Dienstag Vormittag in einem aktuellen Fragen gewidmeten Pressegespräch des Fachverbandes der Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich.

Die Incoming-Reisebüros verstehen sich als professionelle Partner der touristischen Anbieter. "Leider werden wir oft unter unserem Wert behandelt", bedauerte Graiff, Reisebürochef aus Innsbruck, der ein verstärktes Mitspracherecht der Incoming-Büros in den maßgeblichen Gremien forderte. In Tirol habe es, wie er berichtete, zu diesem Thema erst vor wenigen Tagen eine lebhafte Diskussion gegeben.

Die Aufwendungen der rund 300 heimischen Incoming-Büros, um Geschäft nach Österreich zu bringen, sind nach den Worten Graiffs mit 60 Millionen Euro höher als das gesamte Budget der Österreich Werbung. Rund ein Fünftel aller Ausländernächtigungen in den gewerblichen Betrieben Österreichs gingen auf das Konto der "Incomer". Die von den Reisebüros vermittelten Aufenthalte von Österreichern im eigenen Land nehmen ebenfalls kräftig zu und stiegen zuletzt um 20 bis 25 Prozent. Kritik übte Rudolf Kadanka, Mitglied des Incoming-Ausschusses, an der Visapflicht für Besucher aus manchen Ländern, insbesondere aus Russland. Die für die Visaerteilung notwendigen Verpflichtungserklärungen beinhalteten ein unbeschränktes Risiko. Dieses sei den Reisebüros nicht länger zuzumuten und sei auch volkswirtschaftlich kontraproduktiv.

Die Reisebürobranche erzielte im Vorjahr Umsatzerlöse und Erträge von knapp über 3,1 Milliarden Euro, stellte Fachverbandsobmann Edward Gordon fest. Dieses Volumen verteilt sich zu ca. 35 Prozent auf Touristik/Pauschalreisen und zu jeweils rund 30 Prozent auf Incoming sowie Flug- und Geschäftsreisen. Neben dem Strukturwandel stelle vor allem die Rechtsentwicklung auf europäischer Ebene eine immer größere Herausforderung für die Branche dar. "Der Europäische Gerichtshof übernimmt mit seinen Entscheidungen, z. B. in der Frage des immateriellen Schadenersatzes, immer stärker die Funktion der Rechtssetzung. Auch geht er in seinen Entscheidungen über die ursprünglichen Intentionen der EU-Pauschalreiserichtlinie hinaus", fasste Gordon seine Bedenken zusammen.

Was den weiteren Ausbau des Schutzniveaus für den Konsumeten betrifft, verlange die Branche "mehr Augenmaß". Ein überzogener Schutz bedeute letztlich auch, dass zusätzliche Kosten entstehen, die auf den Konsumenten überwälzt werden müssten.

Auf eine weitere Problematik machte Fachverbandsgeschäftsführer Thomas Wolf aufmerksam. Nach der jüngsten Reform des Gewährleistungsrechtes kann in Österreich mit der Geltendmachung von Gewährleistungsansprüchen bis zu zwei Jahre lang zugewartet werden, ohne dass sich der Kunde vorher beim Reiseveranstalter eindeutig deklarieren muss. "Wir verlangen, dass der Reisegast seine Ansprüche rechtzeitig, etwa ein Monat nach Beendigung der Reise, geltend machen muss. Nach zwei Jahren ist die Beweissicherung extrem schwierig. Die zu lange Frist bedeutet eine Rechtsunsicherheit, die mit einem nicht mehr kalkulierbaren Risiko für den Veranstalter verbunden ist", kritisierte Wolf. (hp)

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