Verzetnitsch zu Nachtarbeit: Zeitguthaben als Belastungsausgleich fehlt

Regierung stellt Interessen der Wirtschaft vor jene der ArbeitnehmerInnen

Wien (ÖGB). Massive Kritik übt ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch am heute vom Ministerrat beschlossenen EU-Nachtarbeits-Anpassungsgesetz. "Minister Bartenstein hat offensichtlich wieder einmal nur seine Funktion als Wirtschaftsminister wahrgenommen. Der Gesundheitsaspekt und die sozialen Rechte der ArbeitnehmerInnen wurden hintangestellt", sagte Verzetnitsch. Hauptkritikpunkt des ÖGB: In der Regierungsvorlage sind keine Zeitguthaben zum Ausgleich der besonderen Belastungen bei Nachtarbeit vorgesehen.++++

"Die Aufhebung des generellen Frauennachtarbeitsverbots hätte dazu genützt werden sollen, ausreichende Schutzmaßnahmen für alle Nachtarbeitenden - Frauen und Männer - zu setzen", kritisiert Verzetnitsch. Denn Nachtarbeit führt häufig zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die häufigsten Probleme sind Schlafstörungen, Erkrankungen des Verdauungsapparates und Herz-Kreislauf-Probleme. Schon jetzt leiden 39 Prozent der nachtarbeitenden Männer und 60 Prozent der Frauen unter gesundheitlichen Probleme.

ÖGB fordert zehnprozentiges Zeitguthaben

"Die Minimalvariante, die die Regierung zur Anpassung an EU-Bestimmungen nun beschlossen hat, sieht keinen Ausgleich für die besonderen Belastungen der NachtarbeiterInnen vor", sagt Verzetnitsch. Konkret fordert der ÖGB ein zehnprozentiges Zeitguthaben für jede Stunde Nachtarbeit, das der Erholung dient und nicht mit Geld abgekauft werden kann.

Auch die Definition der Nachtarbeit ist in der Regierungsvorlage wesentlich restriktiver gefasst als vom ÖGB gefordert. Der Anspruch auf Versetzung auf einen Tagesarbeitsplatz ist nach Regierungsplan von der "Maßgabe der betrieblichen Möglichkeiten" abhängig und nur bei gesundheitlichen Problemen und unbedingt notwendigen Betreuungspflichten gegenüber Kindern bis zu zwölf Jahren vorgesehen. Für die Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen gibt es keinen Versetzungsanspruch. "Minister Bartenstein hat mit der Regierungsvorlage klar bewiesen, welchen Interessen er Priorität einräumt. Die ArbeitnehmerInnen-Interessen sind es nicht", sagt der ÖGB-Präsident. (mfr)

ÖGB, 11. Juni 2002
Nr. 514

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