SAP-Konferenz ganz im Zeichen von E-Government: EU-Osterweiterung bringt erhöhte Nachfrage nach IT-Lösungen in der öffentlichen Verwaltung

Wien (OTS) - Die mittel- und osteuropäischen Staaten sind als Beitrittskandidaten zur EU am Aufbau moderner, IT-gestützter Verwaltungen interessiert und dabei zum Teil, wie das Beispiel Lettland zeigt, schon erstaunlich weit fortgeschritten. Bei der SAP Government Conference 2002 Central & Eastern Europe am 6. und 7. Juni in Wien informierten sich 270 Teilnehmer aus 15 Ländern - vorwiegend Mitarbeiter von Ministerien und Behörden aus Osteuropa - über Praxisbeispiele zu New Public Management auf Basis von SAP Applikationen.

Als "Giga-Projekt der Verwaltung" bezeichnete der Leiter der IT-Sektion im österreichischen Bundesministerium für Finanzen, Dr. Arthur Winter, die Implementierung von SAP zur Reorganisation und Optimierung der Geschäftsprozesse im gesamten Haushalts- und Rechnungswesen der Bundesverwaltung. Der Einsatz von Standardsoftware sei Voraussetzung für konsistente und einheitliche Daten. Dies verringere die Prozesskosten in Budgetplanung und -vollzug und -durch Optimierung des Systemsbetriebes - die IT-Kosten. Schätzungen des Einsparungspotenzials durch diese Lösung reichen bis 53 Millionen EUR pro Jahr. Hinzu komme der Nutzen für die Bürger und die Wirtschaft als Kunden des Dienstleistungsstaates. Winter:
"Elektronisch gestellte Anträge werden ohne Medienbruch elektronisch erledigt. Es laufen die Daten - nicht die Personen".

Osteuropa, ein wichtiger Markt der SAP

Heinz Hartinger, Managing Director der Area Central & Eastern Europe bei SAP und Geschäftsführer der österreichischen Niederlassung: "Wir verstehen E-Government nicht bloß als Mittel zur Verbesserung der Beziehungen zwischen Staat, Wirtschaft und Bürgern via Internet. mySAP Public Sector ist vor allem ein geeignetes Mittel, um bestehende Strukturen zu verändern und neue, effizientere Strukturen zu schaffen."

Rund acht bis zehn Prozent des gesamteuropäischen Umsatzes erwirtschaftet SAP in Zentral- und Osteuropa sowie in den CIS-Ländern (Commonwealth of Independent States - ehemalige Staaten der Sowjetunion). Heinz Hartinger: "Die Situation der Informationstechnologie ist in den einzelnen Ländern Osteuropas vollkommen unterschiedlich. Großes Potenzial sehen wir in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Sie werden in den nächsten fünf Jahren der große Wachstumsmarkt für IT sein." Ungarn und Tschechien sind in Sachen Informationstechnologie bereits "reife Länder" - Ungarn ist dabei, mit Österreich gleichzuziehen. Tschechien und Polen durchlaufen derzeit, aufgrund des weltweiten Wirtschaftsrückgangs, eine Stagnation. Die Slowakei bewegt sich bei einem für SAP normalen Wachstum von zehn bis zwanzig Prozent - hier ortet Heinz Hartinger großen Aufholbedarf.

Durch die Annäherung an die EU rechnet Heinz Hartinger mit einer verstärkten Nachfrage nach IT-Lösungen. "Diese Staaten stehen zur Zeit unter einem starken Termindruck, ihre Verwaltungseinrichtungen zu erneuern. Derzeit entwickelt man entsprechende Konzepte. In einigen Ländern fehlt allerdings noch das Budget für die Realisierung", so Hartinger.

Lettland mit innovativer SAP Lösung für Finanzministerium

Im Einklang mit der eEurope-Initiative der EU-Kommission hat die Regierung Lettlands ihr eLatvia- Programm entwickelt, zu dem auch ein Reformkonzept für den öffentlichen Sektor zählt. Einen besonderen Stellenwert hat hierbei die Einführung von mySAP Public Sector im Finanzbereich, dessen Agenden sich zwei Dienststellen teilen: Das Finanzministerium ist vor allem für die Erstellung des Staatshaushaltes, für Steuerpolitik, Zollgesetze und Wirtschaftsanalysen zuständig; während Budgetüberwachung sowie die Verwaltung von Staatsverbindlichkeiten und Staatsvermögenswerten zu den Aufgaben des State Treasury zählt.

In den beiden Behörden habe man zunächst IT-Lösungen unterschiedlicher Hersteller eingesetzt. Sogar die Datensammlung für die Budgetplanung sei über Einzelplatzsysteme gelaufen, berichtete Dr. Jans Slihte von Lettischen Finanzministerium. Einen "Dokumenten-Workflow" habe es nur durch Versand und Verteilung von Schriftstücken, durch Austausch von Disketten oder durch Attachments zu e-Mails gegeben.

Das zum Jahresende 2001 abgeschlossene SAP Projekt habe die Datenintegrität und die Datensicherheit erhöht, die Dateneingabe vereinheitlicht und die Herstellung von Berichten vereinfacht. Die gewählte Lösung sei eine tragfähige Basis für die Implementierung weiterer mySAP- Module und für die Einbeziehung weiterer Ministerien, der Regierung und des Parlaments in das e-Government Konzept.

Bestellvorgang optimieren

Die Wiener Stadtverwaltung befinde sich auf dem Weg zum Dienstleistungskonzern für BürgerInnen und Wirtschaft: "Je effizienter sie arbeitet, desto mehr Ressourcen werden zur Betreuung der Kunden frei", hob Ing. Christian Gebauer vom Competence Center SAP des Magistrats hervor.

Der sukzessive Einsatz von SAP habe 1998 begonnen; zum Jahresende 2000 sei das Projekt "Enterprise Buyer Professional" (EBP) zur Optimierung der Beschaffungsprozesse gestartet worden. Noch heuer soll bereits die Hälfte aller Bestellanforderungen über EBP laufen. Gegenwärtig sei die Beschaffung zeitaufwendig, immer noch überwiegend Papier basierend und enthalte viele überflüssige Prozessschritte. EBP werde die Anforderungsvorgänge vereinfachen, Beschaffungszeiten sowie Transaktionskosten reduzieren, eine Konzentration auf wenige Lieferanten mit größerem Auftragsvolumen bewirken und "Off-contract"-Bestellungen verhindern.

CRM - "Citizen Relationship Management" in Biel

In Biel, der größten zweisprachigen Stadt der Schweiz mit knapp 50.000 Einwohnern, werde derzeit ein Online-Bürgerservice als "Single Point of Contact" für Einwohner und Unternehmen in Betrieb genommen, erklärte Urs Bänziger von der SAP Schweiz. Alle Einwohner und Unternehmen von Biel sind bereits vorab im System erfasst. Vor dem ersten Einstieg fordert der "Kunde" ein Passwort an. Danach können alle Services, wie z.B. die Beantragung von Parkgenehmigungen, Adressänderungen, die Bezahlung der Hundesteuer oder die Ausstellung eines Staatsbürgerschaftsnachweises einfach und unkompliziert über das Internet in Anspruch genommen werden.

Die relevanten Daten (wie z.B Verrechnungsinformationen) werden direkt an die Back Office Systeme von SAP weitergeleitet und automatisch verbucht.

mySAP CRM verfügt über einen Multichannel-Eingang, der den Bürgern die Kommunikation via Telefon, Fax, Internet oder e-Mail und sogar "face-to-face" ermöglicht. Bänziger: "Die verschiedenen Formen des Zuganges werden kanalisiert, um den nachgelagerten Prozess einheitlich gestalten zu können. Das spart Kosten."

Steuer zahlen leicht gemacht - "EasyPay" in Dänemark

Unter der Bezeichnung "EasyPay" wurde in Dänemark ein elektronisches System entwickelt, mit dem Unternehmen über das Internet einerseits statistische Daten zur Abgabenberechnung übermitteln, andererseits in der Folge auch Abgaben bezahlen können. Basis ist das mySAP Financials Modul "Tax and Revenue Management." Über ein Portal sehen die Unternehmen ihre aktuellen Außenstände und können diese auch gleich online begleichen.

"Bisher mussten die Unternehmen die Daten separat an jede Stelle (z.B. Steuerbehörde, Zoll, Sozialversicherung) und zu unterschiedlichen Zeitpunkten melden. Jetzt brauchen sie die Informationen nur noch an das EasyPay-System zu senden, das die Distribution der Daten übernimmt", berichtete Soren Hansen vom dänischen Steuerministerium. Auch die Zahlungen selbst würden als Gesamtbetrag an EasyPay überwiesen und von dort entsprechend verteilt. Der Markt für das neue Serviceangebot umfasse rund 180.000 private und öffentliche Unternehmen mit zusammen etwa 4,7 Millionen Mitarbeitern.

SAP in Osteuropa

2001 konnte die SAP in der Area Central & Eastern Europe, zu der insgesamt 28 Länder zählen, ihre Position als Marktführer weiter ausbauen. In der gesamten Region wurden 2001 rund 296 Millionen Euro umgesetzt, das entspricht einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die größten Umsatzbringer sind die Länder Österreich (35 Prozent Anteil am Gesamtumsatz), Tschechien, Russland mit den ehemaligen GUS-Staaten (je 17 Prozent) und Polen (13 Prozent).
Zur SAP Area CEE gehören Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Rumänien, Bosnien-Herzegowina, Serbien-Montenegro, Albanien und Mazedonien sowie Russland, die ehemaligen GUS-Staaten, die baltischen Länder sowie seit Beginn 2002 auch die Schweiz.

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