"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Uhr tickt für van Staa" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 11. Juni 2002

Innsbruck (OTS) - Ausgerechnet Wendelin Weingartner bescherte
Herwig van Staa das schönste Geburtstagsgeschenk zum 60-er. Im Herbst wird der bisherige Innsbrucker Bürgermeister neuer Chef von Tirol. Weingartner hatte van Staa lange zappeln lassen. Bis zuletzt tauchten immer wieder Spekulationen auf, der Landeshauptmann würde doch noch einen Versuch starten, um den von ihm nicht gerade geliebten van Staa zu verhindern.

Anders als der gescheiterte Landeshauptmann-Aspirant Ferdinand Eberle machte van Staa seit seiner Kür zum ÖVP-Parteiobmann im Oktober 2001 kaum Fehler. Gleichzeitig schaffte er es, die überwiegende Mehrheit der Partei auf seine Seite zu bringen und durch die Bezirksparteitage eine Art Aufbruchstimmung in der Tiroler ÖVP zu erzeugen.

Van Staa hat mit Weingartners öffentlichem Bekenntnis zum Landeshauptmann-Wechsel aber nur die erste Etappe geschafft. Jetzt geht es für ihn erst so richtig los. In der Partei beginnt das Sesselrücken, viele machen sich Hoffnungen auf ein Amt. Der Kampf um die besten Plätze ist längst voll im Gange, die VP-Bünde bringen ihre Kandidaten in Stellung.

Der Erwartungsdruck ist durchaus mit jenem zu vergleichen, den Ski-As Stefan Eberharter vor den Olympischen Winterspielen aushalten musste. Van Staa schaffte sich als Innsbrucker Bürgermeister den Ruf des Machers. Ab heute muss er beweisen, dass er auch in seiner künftigen Rolle Taten setzt. An Themen mangelt es nicht: Müll, Transit, Seilbahn- und Golfplatzerschließungen, Hypo, FC Tirol, etc. Bisher konnte er all jene hinter sich vereinen, die einen Wechsel an der Spitze des Landes herbeisehnten. Dieses Ziel ist erreicht. Nunmehr wird erwartet, dass er den Stillstand in Tirol beendet. Dem will er sich ab Herbst mit der jetzigen Regierungsmannschaft stellen. Sollten van Staa hier nicht schnell Erfolge gelingen, könnte sein Macherimage bis zu den Wahlen 2003 schon gewaltig angekratzt sein.

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