Personalentsorgung auf Staatskosten

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Arno Maierbrugger

Wien (OTS) - Die vermutlich nicht ganz astreinen Massen-Frühpensionierungen in den Beamtenparadiesen ÖBB, Telekom und Post haben völlig zu Recht eine Welle heilloser Empörung hervorgerufen. Tenor: So nicht, liebes Management!

Einen Personal-Overhead mutmasslich zu Lasten der Allgemeinheit zu entsorgen, ist keine unternehmerische Glanzleistung. Vor allem, wenn man sich wie im Fall der Telekom Austria - die Analysten im Nacken -auch noch von der Öffentlichkeit feiern lässt, in kürzester Zeit tausende Mitarbeiter losgeworden zu sein. Gross war das Jammern über die astronomischen Rücklagen für "Freistellungen" und "Golden Handshakes", stolz war man auf eine eigene "Personalmanagement"-Tochterfirma, in Wirklichkeit ein kostspieliger Beamtenparkplatz, und als vorbildhaft liess sich das TA-Management für die Erfindung einer neuartigen "Beamten-Arbeitsstiftung" loben.

Wenn die TA schon von sich weist, mit getürkten Frühpensionierungen etwas zu tun zu haben, dann wird sie wohl gegen eine Evaluierung ihrer Mitarbeiter-Massnahmen nichts haben können. Denn von einem immer noch zu fast 50 Prozent in Staatsbesitz befindlichen Konzern kann die Öffentlichkeit eine entsprechende Aufklärung erwarten, die hoffentlich per Staatsanwalt und Rechnungshof forciert wird. Dasselbe trifft auch auf die beiden anderen verdächtigen Konzerne zu.

Eines darf man aber nicht vergessen: Gesunde Personen für die Frühpension krankzuschreiben, funktioniert ohne willfährige Ärzte nicht. Dabei dürfte es sich um Repräsentanten einer Berufsgruppe handeln, die auch schon bisher nicht unbedingt für Kostenbewusstsein berühmt war: Ein wesentlicher Teil der vermeidbaren Abgänge der Sozialversicherungen errechnet sich aus falsch, doppelt oder unnötig verschriebenen Rezepten, Kuren oder sonstigen medizinischen Massnahmen.Gutachten können diese oder jene Ergebnisse haben - und gerade die mehrheitlich politisch konservativ eingestellte Berufsgruppe der Ärzte denkt nach dem Motto "Der Staat zahlt’s eh".

Deshalb sollte die Ärztekammer ihre bis jetzt kaum wahrnehmbare Kontrollfunktion endlich ernst nehmen, um diesem kostspieligen Systemmissbrauch einen Riegel vorzuschieben. Denn Gefälligkeitsgutachten von Ärzten, denen das Hemd näher als der Rock ist, sind kein Kavaliersdelikt, sondern strafbar, weil sie die Allgemeinheit schädigen.

Rückfragen & Kontakt:

WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 919 19/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWB/PWB/OTS