Österreichische Landjugend veranstaltet "Zukunftswerkstatt Ländlicher Raum"

Impulse für einen lebenswerten ländlichen Raum

Neukirchen/Vöckla, 10. Juni 2002 (AIZ). - Landflucht, fehlende Jobperspektiven, Probleme bei der Hofübernahme und das Erlangen von Lebensqualität standen im Mittelpunkt der Diskussion "Zukunftswerkstatt Ländlicher Raum". Etwa 100 Jugendliche aus ganz Österreich formulierten am Freitag in Neukirchen/Vöckla ihre Vorstellungen über das Leben im ländlichen Raum und machten Vorschläge, wie aus Sicht der Jugend das "Leben in der Provinz" besser gestaltet werden kann. "Wir wollen Perspektiven für den ländlichen Raum und Lebensqualität", leitete der stellvertretende Bundesobmann der Österreichischen Landjugend, Georg Gstöttenbauer, die Diskussionsrunde ein.

Eine Chance liege in dem "Natur- beziehungsweise Kulturraum", meinte Martin Krejcarek, Projektleiter für Landwirtschaft und Naturschutz in der Landwirtschaftskammer OÖ. "Wir müssen zu Umweltexperten werden und unser Wissen anderen weitergeben." Im Bereich Umwelt- und Naturpädagogik stecke enormes Potenzial. Gerade Landwirte, die bereits seit Jahrhunderten mit den natürlichen Ressourcen wirtschaften, besitzen enormes Wissen über die Vorgänge in der Natur. Für Krejcarek ist die Entwicklung von Bildungs- und Begegnungsorten ein zentraler Baustein eines veränderten Verhältnisses von Erzeugern und Verbrauchern, von Stadt und Land. Parallel zur Ausbildung zum Waldpädagogen sollte auch eine Ausbildung zum Naturführer forciert werden.

Ein weiteres Handlungsfeld beschreibt die Chancen der Landwirtschaft, regenerative Energiequellen, landwirtschaftliche Produkte und nachwachsende Rohstoffe für die Energieversorgung und als Rohstoffe für das Bauen zu nutzen.

Eine andere Chance ergebe sich aus der betrieblichen und überregionalen Zusammenarbeit. Der Bürgermeister von Neukirchen, Johann Ramp, nannte als Beispiel die Kooperationen im Rahmen des Leader-Projektes Hausruck. 22 Gemeinden aus drei Bezirken haben sich zu einem Leader-Projekt zusammengeschlossen. Damit sollen vor allem die Infrastruktur verbessert, Arbeitsplätze geschaffen, die Wertschöpfung heimischer Erzeugnisse gefördert und Netzwerke zwischen Landwirtschaft, Wirtschaft, Tourismus und Kultur angekurbelt werden.

"Wir lernen zusammenzurücken und ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen. Je engagierter und verantwortungsvoller die örtliche Bevölkerung im Projekt mitarbeitet, umso erfolgreicher wird es werden", ist Ramp überzeugt. Auch Fritz Wildfellner, ehemaliger Bundesgeschäftsführer der Maschinenringe, appellierte an die Teamarbeit. "Anstelle von Konkurrenz soll das Gemeinsame treten." Wirtschaftliche Zusammenarbeit ist sinnvoll und ökonomisch. Das Einzelkämpfertum, welches gerade im ländlichen Raum stark verbreitet ist, sei nicht mehr zeitgemäß.

Elisabeth Sturm vom Jugendservice Vöcklabruck rät den Jugendlichen zu kreativen Initiativen. "Experimentieren ist gefragt. Gerade die Jugend hat das Recht, quer zu denken und neue Ideen zu entwickeln. Dafür müssen wir Erwachsene ihnen Räume zur Verfügung stellen." Für Sturm geht die Landjugend mit positiven Beispielen voraus: Die Mitglieder gestalten Veranstaltungen, organisieren Weiterbildungsmöglichkeiten und kümmern sich um ein aktives Vereinsleben, in dem Kultur, Freizeit, Sport und Regionalentwicklung Platz finden.

Dass die Landjugend "im Schwung" ist, bestätigte der Präsident der OÖ LWK, Hans Kletzmayr. Die bäuerliche Interessenvertretung bemühe sich mit Bildungsangeboten über das LFI (Ländliches Fortbildungsinstitut), der Jugend bestmögliche Unterstützung zu geben. Auch was die Problematik Hofübergabe und -übernahme betrifft, stehen die Kammern mit Beratung zur Seite. Auf politischer Ebene setze sich die Kammer mit Nachdruck für ein europäisches Modell der Landwirtschaft ein, das flächendeckend, multifunktional und nachhaltig ist. Alleine eine nachhaltige Landwirtschaftspolitik biete Rechts- und Planungssicherheit für junge Bauern, betonte Kletzmayr.

"Freiraum und Freizeit sind notwendig für Lebensqualität", betonte Alois Gaderer, Bundesobmann von Urlaub am Bauernhof. Gerade für Landwirte sei es wichtig, hin und wieder Abstand von der Arbeit zu gewinnen und über den Betrieb und sich selbst zu reflektieren. In seinen Augen wandelt sich der Bauer zum Unternehmer, der mit Wissen, Kapital und klarer Zieldefinition nun auch Lebensqualität erreicht. (Schluss)

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