"profil": Cannes-Chef Prenner rechnet nicht mit Werbe-Aufschwung

Ex-ORF-Enterprise-Chef Prenner kritisiert österreichische Werber - heimische Werbung steht nicht im Ruf, "besonders kreativ zu sein" - große Agentur-Konglomerate werden wieder zerfallen

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheindenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" übt Franz Prenner, der frühere Geschäftsführer der ORF-Enterprise GmbH und nunmehrige Chef des International Advertising Festivals in Cannes, scharfe Kritik an der österreichischen Werbeszene. Prenner: "International steht Österreich in der Werbung nicht gerade im Ruf, besonders kreativ zu sein."

Prenner, der nun in der Werbemetropole London lebt, wo sich das Büro des Cannes-Festivals befindet, sieht seinen Wohnsitzwechsel in professioneller Hinsicht sehr nüchtern: "Mir geht viel aus Österreich ab, aber sicher nicht die Werbung." Österreichische Werbeagenturen haben dieses mit Jahr 215 Beiträgen mehr Arbeiten als je zuvor zur Prämierung in Cannes eingereicht. Der Ex-ORF-Manager geht jedoch nicht davon aus, dass sich durch die gestiegene Zahl österreichischer Einreichungen auch die Chancen heimischer Agenturen vergrößert haben, einen der begehrten "Löwen" zu erhalten. Prenner: "Die gestiegene Zahl der Einreichungen bedeutet leider nicht zwangsläufig proportional steigende Aussichten auf Preise."

Der frühere Geschäftsführer der ORF-Enterprise GmbH, der in dieser Funktion für den Verkauf der ORF-Werbezeiten zuständig gewesen ist, rechnet im "profil"-Interview nicht damit, dass der zur Zeit in der Werbebranche merkbare gravierende Konjunktureinbruch bald überwunden sein wird. Prenner: "Der Aufschwung kommt nicht. Die werbenden Unternehmen haben ihre Ausgaben reduziert und letztlich nichts verloren, weil alle mitgezogen sind. Warum in aller Welt sollten die jetzt wieder mehr ausgeben?" Nach Abklingen der Euphorie um die New Economy und Telekom-Industrie müsse sich die Werbebranche nun damit auseinandersetzen, dass "keine Themen in Sicht sind, die diese Lücke schließen könnten".

Pessemistisch zeigt sich Prenner im "profil"-Interview auch bezüglich der Zukunftsaussichten der in den vergangenen Jahren aus zahlreichen Fusionen und Zusammenschlüssen entstandenen großen Werbeagenturkonzerne. Prenner: "Der Drang nach Größe und macht hat eben auch die Agenturszene erfasst. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das die Kunden unbedingt wollen." Er bekomme immer mehr das Gefühl, "dass viele Unternehmen kleine, dynamische Agenturen den großen Konzernen vorziehen." Er rechne daher damit, "dass einige dieser ganz großen Agenturen a la longue wieder zerfallen".

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"profil"-Redaktion

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