"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Schlusspfiff" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 7. Juni 2002

Innsbruck (OTS) - Der sportliche Erfolg des FC Tirol hat viele geblendet: Fans, die Politik, aber auch die Medien. Schließlich wurschtelte sich der Verein konkursreif zu drei Meistertiteln.

Trotzdem wurden laufend große Töne gespuckt, sogar vom Börsengang war einst die Rede. Die ganze Finanzstruktur stand aber von Anfang an auf tönernen Füßen, denn der Verein lebte einfach über seine Verhältnisse.

Doch der Vorstand hat mit der Zeit jegliches Realitätsbewusstsein und Verantwortungsgefühl gegenüber seinen Schuldnern und der Öffentlichkeit verloren. Fünf Namen stehen stellvertretend für diese Entwicklung, die der Bundesliga gar keine Chance mehr für eine Lizenzerteilung gegeben hat: Ex-Präsident Martin Kerscher, Präsident Othmar Bruckmüller, Ex-Manager Robert Hochstaffl sowie die ehemaligen Vorstandsmitglieder Hansjörg Mader (ASVÖ-Präsident) und Kurt Papst. Es gehörte zum guten Ton dieser Herren, von der öffentlichen Hand nur zu fordern, zu jammern und die Abgaben an die Stadt Innsbruck zu geißeln.

Egal wieviel Bruckmüller und Co. in den FC Tirol investierten: Den Fußball am Tivoli haben sie damit indirekt und scheibchenweise abgewirtschaftet. Und das tut einfach weh. Natürlich ist der Verein auch an der sich im nationalen und europäischen Fußball unaufhörlich ins Unermessliche schraubenden Großmannsucht gescheitert. 16 Mio. Euro Schulden und 100 Kleingläubiger lassen sich damit aber nicht rechtfertigen.

Der Schlusspfiff im neuen Tivoli-Stadion beendet eine mögliche Verlängerung des Desasters. Bruckmüller und Co. sind schon längst nicht mehr glaubwürdig, sondern Marionetten in ihrer irrealen Fußballwelt, die aus Hinhalten, Beschwichtigen und Beschönigen besteht. Der Kriminalfall "Hochstaffl" ist ein Stein in diesem brüchigen Mosaik.

Emotional kann kein FC Tirol-Anhänger das Ende des Vereins verstehen. Nur rational musste die Bundesliga so und nicht anders handeln.

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