J.R. lässt grüssen

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Michaela Lexa

Wien (OTS) - Die Geschichte könnte eine Episode aus der Serie Dallas sein: Öl-Magnat Cliff Barnes hilft einem maroden Hersteller von Bohrtürmen auf die Beine, ringt ihm aber das Versprechen ab, nicht für Erzfeind J.R. Ewing zu produzieren. Die Firma erholt sich, will mehr Marktanteile und wagt es deshalb, auch Ewing Oil zu beliefern. Der daraufhin zutiefst in seiner Ehre gekränkte Barnes quittiert den Überlauf des Ziehkindes mit dem Abbruch jeglicher geschäftlicher Kontakte.

Man sollte meinen, dass sich Manager Animositäten nur in texanischen Soaps leisten können. Weit daneben. Österreichs Wirtschaft kann gleich zwei Parade-Beispiele bieten, wo persönliche Gefühle Auslöser für schwerwiegende Entscheidungen waren.

Da wären zum einen Rewe Austria-Boss Veit Schalle und Spar-Chef Gerhard Drexel. Schalle half dem einst in den Konkurs geschlitterten Bioprodukte-Produzenten Engelbert Perlinger auf die Beine. Weil dieser jetzt auch in den Regalen des Erzkonkurrenten Spar zu finden ist, flog er bei Merkur & Co. aus dem Sortiment. Was Mister Billa nicht bedacht hat: Der Rauswurf hätte Perlinger beinahe wieder in den Ruin getrieben, wäre nicht sein Kompagnon Gernot Langes-Swarovski in die Bresche gesprungen.

Auch bei der Übernahme der Maximärkte durch Spar konnte Schalle nicht unbeteiligt zuschauen und pochte auf einige Standorte. Die verbale Schlammschlacht war bühnenreif. Letztendlich musste das Kartellgericht die beiden Kampfhähne trennen und entschied für Spar.

Nicht von schlechten Eltern sind auch die Spitzfindigkeiten zwischen Raiffeisen-General Christian Konrad und RLB OÖ-Chef Ludwig Scharinger wegen der Molkereien NÖM und Berglandmilch. Während Konrad bei der NÖM endlich Geld sehen wollte, präferierte Scharinger eine Österreich-Lösung. Diese kommt aber nicht zu Stande, weil der italienische Konzern Parmalat bei der NÖM einsteigt.

Gefühle sind gut im Frühling oder bei Hochzeiten, im Wirtschaftsleben haben sie nichts zu suchen. Denn die Wahrscheinlichkeit, emotionsbedingt die falsche Entscheidung zu treffen, ist ungleich höher, als wenn die Ratio handelt. Und damit auch die Gefahr, dass Schäden entstehen, die nicht mehr repariert werden können. Kunden wollen nicht ein Sieger-Image kaufen, sondern Produkte, an denen sie hängen.

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