Lebensmittelindustrie: Wettbewerbsfähigkeit durch Road Pricing unter Druck

Dringende Feinabstimmung des Projekts nötig

Wien (PWK390) "Um die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Lebensmittelindustrie zu erhalten, muss das geplante Road Pricing verträglich gestaltet werden. Die Einführung einer spürbar teureren Maut als in Deutschland bedeutet aber das Gegenteil . Verteuerungen infolge des Road Pricing gefährden viele Produkte, sowohl am Inlands-als auch am Exportmarkt", stellte heute, Donnerstag, Michael Blass, Geschäftsführer des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie klar. Um eine möglichst enge Abstimmung mit dem wichtigsten Exportmarkt Österreichs zu erreichen, sollte eine Kompatibilität des technischen Systems, der Zeitpunkt der Einführung und der Höhe der Mauttarife bestehen.

Durch die geplante Einführung befürchtet Josef Domschitz, Direktor für wirtschafts- und verkehrspolitische Angelegenheiten des Fachverbandes, Verluste inländischer Wertschöpfung und österreichischer Arbeitsplätze. Nach einer aktuellen Studie würde die geplante Lkw-Maut die Transportkosten der österreichischen Wirtschaft um 20 bis 30 Prozent erhöhen. Und für Betriebe in peripheren Lagen könnte die Verteuerung noch drastischer ausfallen. "Wir stellen uns auf einen massiven Wettbewerbs- und Standortnachteil für die heimische Lebensmittelindustrie ein", so Domschitz.

Im Detail gehe man in der Lebensmittelindustrie von verschiedenen negativen Entwicklungen durch die Einführung des Road Pricing in der geplanten Höhe aus. Durch die Verteuerung der Transportkosten rechne man mit einer Verteuerung bei den Rohmaterialien, die bis auf die Endprodukte durchschlagen wird. Viele Produkte, wie Milch und Konzentrate können eben nur auf der Straße transportiert werden. "Bei Getränken würden sich beim West-Ost-Transport etwa Mehrkosten von rund 5 Cent pro Flasche ergeben", so Domschitz.

Benachteiligungen befürchtet man für innerösterreichisch distribuierte Produkte gegenüber deutschen und italienischen Konkurrenzprodukten. Die Belieferung von Ballungszentren zwischen Vorarlberg und Oberösterreich aus München oder Südtirol werde billiger kommen. Domschitz: "Zu diesen verlorenen Kunden gibt es keine Alternative!" Nicht abschätzbar sei die Verteuerung bei Markenprodukten, die im gesamten Bundesgebiet zu einheitlichen Preisen angeboten würden.

Die Lebensmittelindustrie befürchtet aber auch negative Auswirkungen auf den für Österreich besonders wichtigen Außenhandel. Die Verteuerung der Inlandsproduktion könnte die jüngste Erfolgsgeschichte beim Export österreichischer Lebensmittel gefährden. "Die Maxime: Jene, die noch nicht exportieren, zum Export bringen und jene die schon exportieren, die Ausfuhrquote weiter zu erhöhen, wird wohl schwer umsetzbar sein", betonte der FV-Geschäftsführer.

In Hinblick auf die EU-Erweiterung seien bis zum Beitritt der Kandidatenländer Retorsionsmaßnahmen durch EU-Drittländer nicht auszuschließen. Spezielle Handelshemmnisse für österreichische Exporteure seien als Reaktion in diesen Ländern zu befürchten, schloss Domschitz. (us)

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Ulrike Sporer
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