Wiener Umweltanwaltschaft kritisiert schädliche Dieselabgase

Wien, (OTS) In einem gemeinsamen Mediengespräch mit den "ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt" machte am Donnerstag die Wiener Umweltanwaltschaft auf die gesundheitgefährdenden Auswirkungen der steigenden Dieselabgase aufmerksam. Zwei Drittel der im Jahr 2001 in Österreich neu zugelassenen PKW’s und Kombis werden mit Dieselmotoren betrieben, die große Mengen an gesundheits-gefährdenden feinen Partikeln ausstoßen. Steuerliche Begünstigungen, massive Werbung und Lobbys, die gesundheitliche Schäden von Dieselabgasen verharmlosen, haben zu diesem Dieselboom geführt.

Trotz einiger Vorteile hat das Dieselauto viele Schattenseiten. Unter anderem stößt es gegenüber dem Benziner zwei- bis dreimal mehr Stickstoffoxide und bis zu tausendmal mehr Rußartikel aus. Davon sind besonders die kleinen Teilchen mit einem Durchmesser unter 10 Mikrometer für die Gesundheit des Menschen gefährlich, da sie bis tief in die Lungen eingeatmet werden. Diese Partikel, insbesondere Feinst-Staub und ultrafeine Partikel, nehmen unter den Luftschadstoffen in Bezug auf Gesundheitsschäden und Folgekosten bereits heute einen traurigen Spitzenplatz ein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erachtet die Luftverschmutzung durch Staubpartikel als Hauptproblem der europäischen Umweltbelastung.

Kleinkinder sind besonders gefährdet

Die Palette gesundheitlicher Schäden infolge von Dieselabgasen ist groß: Infekte der Luftwege, Bronchitis sowie Asthmaanfälle treten vermehrt auf und die Sterblichkeit an Herzinfarkten ist erhöht. Von diesen akuten Effekten sind ältere Leute und PatientInnen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders betroffen. Nicht zu vernachlässigen sind die chronischen Wirkungen der Rußteilchen, wie z. B. deren krebserregende Wirkung (Lungenkarzinom). Laut WHO führt verkehrsbedingter Feinst-Staub in Österreich unter anderem zu 40.000 Asthmaanfällen bei Erwachsenen und zu 2.400 Todesfällen durch Herz-und Lungenerkrankungen bei über 30-jährigen. Das bedeutet, dass jährlich doppelt so viele Personen durch verkehrsbedingte Luftschadstoffe sterben wie bei Verkehrsunfällen. Bei Kindern führen Rußpartikel laut Statistik zu 15.000 Asthmaanfällen und 20.000 Bronchitisfällen pro Jahr. Wobei hier besonders Kleinkinder betroffen sind, da deren Nase und Mund sich in jenen bodennahen Bereichen befinden, in denen die größten Staubbelastungen auftreten.

KFZ-Verkehr - Umweltproblem oder Panikmache?

"Der Verkehrssektor stellt einen der größten Verursacher von Umweltbeeinträchtigungen in Österreich dar und trägt maßgeblich zur Umweltproblematik wie Klimaveränderung, Versauerung der Böden, Luftverschmutzung, Lärm, Bodenverbrauch und der Zerstörung von Ökosystemen bei. Er ist Hauptverursacher von Umweltproblemen auf lokaler, nationaler wie auch globaler Ebene." (Quelle: Sechster Umweltkontrollbericht des Umweltbundesamtes 2001)

Zwar bewirken die immer strengeren Abgasgesetzgebungen für Kraftfahrzeuge ein Absinken der österreichischen Gesamtemissionen bei den meisten Schadstoffgruppen. Jedoch werden diese Reduktionen teilweise durch die ständig steigende Gesamtfahrleistung und den Trend zu immer größeren, leistungsstärkeren Autos mehr als egalisiert.

Besorgniserregende Zunahme der Luftverschmutzung in der Stadt

Ein Viertel der gesamten CO2-Emissionen sind dem Verkehrssektor zuzurechnen. Der CO2-Ausstoß, bedingt durch den Verkehr, hat in Österreich von 1980 bis 1999 von ca.13 Mio. Tonnen auf etwa 20 Mio. Tonnen zugenommen. Etwa 10 % der gesamten CO2-Emissionen der Europäischen Union werden alleine vom städtischen Straßenverkehr hervorgerufen. Weiters ist der Straßenverkehr der Hauptverursacher für Feinstaubemissionen und Kohlenmonoxidemissionen in Stadtgebieten.

In Wien ist die Gesamtbelastung an Partikel aus dem PKW-Verkehr seit 1980 um das Dreifache angestiegen. Die Luftqualitätsanforderungen der Europäischen Union werden in den städtischen Gebieten zukünftig schwer oder kaum zu erfüllen sein. Spezielle Probleme gibt es hier vor allem durch das hohe Emissionsniveau der Stickoxid- sowie Partikelemissionen. Wien bildet da keine Ausnahme - ein Großteil des gesamten Stadtgebietes wird in einer neuen Verordnung zum Umweltverträglichkeitsprüfungs(UVP)-Gesetz als belastetes Gebiet ausgewiesen.

Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit

"Besonders wichtig ist die Aufhebung der aus ärztlicher Sicht ungerechtfertigten Begünstigungen der Dieseltreibstoffe. Diesel soll gleich hoch besteuert werden wie Benzin. Verbessert werden könnte die Situation insgesamt durch sparsamere Motoren bei den Benzinautos sowie durch Partikelfilter und Systeme zur Reduktion der Stickoxid-Emissionen bei Dieselfahrzeugen. Bis Technik und Politik Wirkung zeigen, sind aus Gründen des Gesundheitsschutzes Benzinautos vorzuziehen. Darüber hinaus sollte auf sparsame Motoren geachtet und wann immer möglich, öffentliche Verkehrsmittel benutzt, Rad gefahren, zu Fuß gegangen oder auch wahlweise Skateboards bzw. Inline-Skates verwendet werden", so Dipl.-Ing. Dr. Hans-Peter Hutter (AGU). "Es ist nicht das Ziel Feindbilder zu schaffen und Schwarz-Weiß-Malerei zu betreiben, sondern es muss vielmehr Verständnis und Problembewusstsein geschaffen werden, um zu einem vernünftigen Umgang mit dem Auto zu finden", meint Dipl.-Ing. Alfred Brezansky (WUA).

Die neue Publikation Verkehr - Umwelt - Gesundheit (zu bestellen bei der Wiener Umweltanwaltschaft, Tel.: 01/37979-0 oder post@wua.magwien.gv.at) der ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt, die mit Unterstützung der Wiener Umweltanwaltschaft und des Umweltministeriums entstanden ist, behandelt die Verkehrsproblematik und deren vielfältige Einflüsse aus der Sicht von UmweltmedizinerInnen. Diese Broschüre zeigt, dass neue Wege für die Zukunft gefunden werden müssen. Dipl.-Ing. Alfred Brezansky betont:
"Immer neue Straßen zu bauen, ist keine Abhilfe für die zunehmende Verkehrslawine, sondern eine Sackgasse, die neue zukunftsorientierte Lösungen verhindert". (Schluss) wua/hu

Rückfragen & Kontakt:

http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
DI Alfred Brezansky
Wiener Umweltanwaltschaft
Tel.: 37979/88 986
bra@wua.magwien.gv.at
Univ.-Ass. Dipl.-Ing. Dr. med. Hans-Peter Hutter (Universität Wien),ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt (AGU),
Tel. & Fax: 01/216 3422,
mailto: aegu@nextra.atPID-Rathauskorrespondenz:

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK