Eklatante Unterversorgung mit PsychologInnen in Österreichs Spitälern

Pressetext zur Tagung "Klinisch-psychologische Behandlung im Krankenhaus" am 7. Juni 2002

Wien (OTS) - Der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) stellt die ungenügende Versorgung Österreichs PatientInnen mit psychologischen Leistungen in einer ganztägigen Fachtagung am 7.6. im Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen zur Diskussion.

Internationale Studien bestätigen, dass etwa 30% aller Patientinnen und Patienten die ein Krankenhaus aufsuchen nicht nur eine medizinische Behandlung sondern auch eine psychologische Begutachtung, Beratung und Behandlung brauchen.

Nach einer aktuellen Erhebung des Österreichischen Bundesinstitutes für Gesundheitswesen (ÖBIG) über die stationäre Versorgung weisen 40% aller befragten Krankenanstalten kein psychologisches Angebot auf. Insbesondere sind davon Standardkrankenanstalten und Pflegeanstalten für chronisch Kranke betroffen. Dies steht im krassen Gegensatz zum Krankenanstaltengesetz, wo das Recht auf klinisch-psychologische, gesundheitspsychologische und psychotherapeutische Versorgung explizit festgeschrieben ist.

In vielen medizinischen Bereichen konnte sich die Klinische Psychologie mit ihren Behandlungsmethoden etablieren und leistet einen beachtlichen Beitrag nicht nur im Bezug auf eine erhöhte Patientenzufriedenheit und Personalzufriedenheit, sondern auch im Bezug auf Kostensenkung wie in zahlreichen internationalen Studien nachgewiesen werden konnte. PsychologInnen im Krankenhaus haben die Möglichkeit durch ihre Präsenz auf den Abteilungen rasch und niederschwellig für den Patienten da zu sein, auch Angehörige können eine Beratung in Anspruch nehmen. Das psychologische Know-How und die spezielle Ausbildung für Fragen der Kommunikation bieten Entlastung für die Behandlung und Pflege "schwieriger PatientInnen". Psychologische Fortbildungen werden ÄrztInnen und dem Pflegepersonal angeboten.

Wer braucht psychologische Hilfe?

Traumatisierte PatientInnen

Menschen mit schwerwiegenden körperlichen Leiden, von der plötzlichen Konfrontation mit körperlicher Versehrtheit durch einen Unfall bis hin zur langfristigen Belastung durch eine chronische Erkrankung, müssen auch emotional und geistig mit diesem Eingriff in ihre körperliche Integrität und Unversehrtheit fertig werden. Nicht alle können oder wollen diese Anpassung an die durch Krankheit geänderte Lebenssituation alleine leisten. Hier können PsychologInnen bereits vor Ort rasch und niederschwellig Hilfestellungen anbieten und dadurch auch langwierigen psychosomatischen und psychosozialen Folgeleiden vorbeugen.

KrebspatientInnen

Jede/r dritte in Österreich erkrankt in seinem/ihrem Leben an Krebs und ist plötzlich mit einer existentiell bedrohlichen Diagnose konfrontiert. Von der Radiologischen Diagnostik, über Chirurgie, internistische Onkologie, Strahlentherapie bis hin zur Physiotherapie für die Rehabilitation, arbeiten verschiedene medizinische ExpertInnen Hand in Hand, doch nach wie vor fehlen in vielen Krankenhäusern die SpezialistInnen für den Umgang mit psychischen Belastungen. Ängste, Verzweiflung, Überforderung, Kontrollverlust und psychosomatische Reaktionen auf medizinische Therapien bis hin zu depressiven Verstimmungen müssen ab dem Zeitpunkt der Diagnosestellung in der Behandlung mitberücksichtigt werden.

PatientInnen nach Schlaganfall

Neurologische PatientInnen benötigen nach einem Schlaganfall rasche psychologische Interventionen und Trainings um möglichst, rasch wieder ihren Alltag psychisch und geistig bewältigen zu können.

Doctor-Shopping-PatientInnen belasten unser Gesundheitswesen
Sie absolvieren unzählige Arztbesuche, werden von Facharzt zu Facharzt weiterverwiesen, und sind mit unauffälligen Befunden oder erfolglosen medikamentösen Therapien oft nicht zufrieden - sondern beunruhigt. Psychologische Diagnostik klärt, ob eine Angststörung oder depressive Verstimmung zugrunde liegt und verweist auf entsprechende Behandlungsmöglichkeiten.

Der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen möchte mit der Veranstaltung "Klinisch- Psychologische Behandlung im Krankenhaus" einen Einblick in die breite Palette der Klinischen Psychologie und auf die Notwendigkeit routinemäßiger psychologischer Dienste in jeder Krankenanstalt hinweisen. Als Standardversorgung fordert der Berufsverband: auf zumindest 100 Betten eine Vollzeitstelle, auf Spezialabteilungen wie etwa Onkologien, Suchtstationen, Geriatrien, Psychiatrien und Neurologien den Personalschlüssel 1:25. Weiters sind finanzierte Ausbildungsstellen für PsychologInnen zum/zur Klinischen Psychologen/-in und Gesundheitspsychologen/-in dringend notwendig um junge KollegInnen adäquat ausbilden zu können.

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Ulla Konrad
Tel.: 01 / 599 88 / 6776

Mag. Monika Glantschnig
Tel.: 01 / 407 26 71 / 17

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