FC Tirol-Affäre ist Ausdruck des Systems

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Günter Fritz

Wien (OTS) - Der Imageschaden, den der österreichische Fussball durch die Affäre rund um den FC Tirol erleidet, ist gewaltig: Ein sportlich höchst erfolgreicher und von Sponsoren hofierter Verein wird von den verantwortlichen Funktionären derart unprofessionell und sorglos geführt, dass am Ende nur ein wirtschaftlicher Trümmerhaufen und Millionenschulden bleiben.

Doch damit nicht genug: Kaum ist Klubmanager Robert Hochstaffl wegen Betrugs- und Untreueverdachts verhaftet, werden auch noch Voruntersuchungen gegen den ehemaligen Vereinpräsidenten Martin Kerscher und seinen Nachfolger Othmar Bruckmüller wegen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen und dem Nichtabführen von Dienstnehmerbeiträgen an die Krankenkasse eingeleitet. Dass Beide einen bislang guten Ruf als Manager bzw. Unternehmer zu verlieren haben, macht die Causa zusätzlich brisant.

Unabhängig davon, ob der Niedergang des FC Tirol in letzter Konsequenz auf die kriminellen Machenschaften eines Einzelnen zurück zu führen ist oder nicht, er macht eines mit aller Deutlichkeit klar:
Kontrolle scheint im österreichischen Fussball offenbar unbekannt zu sein. Weder die Klubs selbst, noch Bundesliga, Österreichischer Fussballbund oder zuständige Politiker waren bisher in der Lage, Ordnung in das wirtschaftliche Chaos zu bringen. Ist doch der FC Tirol nur die vorläufige Spitze eines Eisberges, der in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen ist. Vereine wie Braunau, Steyr, St. Pölten, Krems, Lask, Wiener Sportklub, Favac, Admira bis hin zu Rekordmeister Rapid, der nur mit den Millionen der Bank Austria am Leben erhalten wird, haben mit wirtschaftlichen Troubles für Negativ-Schlagzeilen gesorgt.

Geschehen ist dennoch so gut wie nichts: Nach wie vor pumpen gutgläubige und öffentlichkeitsgeile Sponsoren Unsummen in Vereine, denen womöglich noch während der Spielsaison die Luft ausgeht. Nach wie vor fliessen zahllose Steuermillionen in den Bau von Stadien, die in der Folge als Bühne für Wichtigmacher und Dilletanten dienen. Denn nichts eignet sich so gut für die breitenwirksame Promi-Gesichtswäsche wie ein im TV übertragenes Fussballspiel.

Sport wird zwar gerne als die wichtigste Nebensache der Welt bezeichnet, aber angesichts der Vorgänge beim FC Tirol ist es höchste Zeit, dass endlich gehandelt wird und auch bei Sportvereinen strengere Massstäbe angelegt werden.

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