Kriminalitätsbericht 2001: Weniger Anzeigen, mehr Tatverdächtige ausgeforscht

Strasser: "Österreich zählt zu den sichersten Ländern der Welt"

Wien (OTS) - "Österreich zählt zu den sichersten Ländern der Welt. Die Kriminalität ist im internationalen Vergleich auf konstant niedrigem Niveau. Die Gesamtkriminalität ist um 7,7 Prozent zurückgegangen", sagte Innenminister Dr. Ernst Strasser bei der Präsentation des Kriminalitätsberichts für das Jahr 2001 am 5. Juni 2002 in Wien.

Auch das subjektive Sicherheitsgefühl sei sehr hoch, betonte der Minister und verwies auf eine Fessel/GfK-Umfrage vom Frühjahr dieses Jahres: 86 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher gaben an, sie fühlen sich "sehr sicher" bzw. "ziemlich sicher". Das sei "angesichts der tragischen Ereignisse vom 11. September und ihrer Folgen ein sehr guter Wert und ein sehr gutes Zeugnis für das Vertrauen in die Exekutive und auch ein Beweis für die ausgezeichnete Arbeit unserer Polizei und Gendarmerie", sagte Strasser.

Laut "Kriminalitätsbericht 2001 - Statistik und Analyse" wurden im vergangenen Jahr von den Sicherheitsbehörden in Österreich 522.710 gerichtlich strafbare Handlungen registriert, davon 418.967 Vergehen und 103.743 Verbrechen. Seit 1. Februar 2000 erfolgt die Ermittlung der Deliktszahlen durch Polizei und Gendarmerie elektronisch ("Kriminalstatistik online"); vorher wurden Zählblätter ausgefüllt. Die folgenden Vergleiche der Deliktszahlen beziehen sich daher auf die Monate Februar bis Dezember 2000 bzw. 2001.
Vom Februar bis Dezember 2001 wurden 476.921 Straftaten bekannt, um 40.008 weniger als im Vergleichszeitraum 2000 (516.929 Fälle). Das entspricht einem Rückgang von 7,7 Prozent.

Rückgänge verzeichnete die Exekutive vor allem bei den Deliktsbereichen Körperverletzung, Einbruchdiebstahl, Betrug, Raufhandel und beim Mord. Zunahmen gab es bei den Diebstahls- und Suchtmitteldelikten, bei der vorsätzlichen Gemeingefährdung und bei den Geldfälschungsdelikten (§ 232 und 233 Abs. 1 StGB). Der Anstieg bei der Geldfälschung und Weitergabe von Falschgeld ist vor allem auf die Währungsumstellung zurückzuführen: Kriminelle versuchten, ihre Bestände an gefälschten Altwährungen bis zum Ende der dualen Phase auf den Markt zu bringen.

Bei den personsbezogenen Deliktsbereichen (Straftaten gegen Leib und Leben, die Freiheit sowie gegen die Sittlichkeit) gibt es eine traditionell hohe Aufklärungsziffer; bei den anonymen Straftaten (Massendelikte wie Diebstahl und Einbruch) ist die Klärungsrate niedrig. 218.198 aller im vergangenen Jahr registrierten 522.710 Straftaten konnten geklärt werden. Das entspricht einer Aufklärungsquote von 41,7 Prozent. Im Jahr 2000 (Februar bis Dezember) wurden 48,7 Prozent aller Delikte geklärt. Bei den Vermögensdelikten gab es einen Rückgang der Aufklärungsquote um 7,5 Prozent. Dieser Rückgang ist vor allem darauf zurückzuführen, dass es im Jahr 2001 im Gegensatz zum Jahr davor kaum Serienbetrugsdelikte gab, bei denen mit der Festnahme eines Täters Hunderte Delikte geklärt werden können. So fielen etwa die Euroscheckbetrügereien weg:
Im vergangenen Jahr waren Euroschecks kaum mehr in Gebrauch; seit 1. Jänner 2002 sind sie nicht mehr gültig. Bei den Einbruchdiebstählen hätten laut Strasser zusätzliche Aktivitäten ausländischer Tätergruppen zu einem Rückgang der Aufklärungsquote geführt. Es würden zwar regelmäßig Einbrecher festgenommen, der Nachweis weiterer Straftaten sei aber schwierig.
Bei den Straftaten gegen Leib und Leben gab es mit über 88 Prozent geklärten Fällen eine annähernd gleiche Quote wie im Jahr 2000. Bei den gerichtlich strafbaren Handlungen gegen die Freiheit konnte die Quote geringfügig auf 91,9 Prozent gesteigert werden.

Polizei und Gendarmerie konnten mehr Tatverdächtige ermitteln: Die Zahl der Verdächtigen ist von 2000 auf 2001 (Februar bis Dezember) um 3.894 auf 185.649 gestiegen (+2,1 %). Bei der Zahl der fremden Tatverdächtigen gab es eine Zunahme um 3 Prozent. 47.912 der 203.877 Tatverdächtigen hatten nicht die österreichische Staatsbürgerschaft (23,5 Prozent). Das bedeutet einen Anstieg des Fremdenanteils an allen Tatverdächtigen gegenüber 2000 (2-12) um 4,3 Prozent.

Innenminister Strasser betonte, dass als Konsequenz auf den Kriminalitätsbericht die Prävention weiter ausgebaut, die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft intensiviert und die internationale polizeiliche Kooperation vertieft werde. Ein Schwerpunkt dabei sei die Schaffung einer Analyseeinheit im Bundeskriminalamt und die Verbesserung der Tatortarbeit. Die DNA-Datenbank habe sich auch bei der Aufklärung von Einbruchsdelikten bewährt.

Die österreichischen Sicherheitsbehörden würden bei konkreten Fällen mit nahezu allen Staaten der Welt zusammenarbeiten, erläuterte Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit Dr. Erik Buxbaum. Mit einer Reihe von Ländern bestünden Staatsverträge oder Ressortübereinkommen über die Verbesserung der polizeilichen Zusammenarbeit. Mit den östlichen Nachbarstaaten und Polen seien Sicherheitspartnerschaften abgeschlossen worden. Buxbaum: "Wir schöpfen alle Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit aus."

Der strategischen Analyse komme bei der Verbrechensbekämpfung eine große Bedeutung zu, sagte Dr. Herwig Haidinger, Direktor des neuen Bundeskriminalamts (BKA). Der DNA-Bereich werde im BKA in einer eigenen Organisationseinheit untergebracht. Mit der DNA-Analyse könnten nicht nur Täter ermittelt sondern auch Tatserien in Österreich zusammengeführt werden. Im BKA werden vergleichende Fallanalyse sowie strategische Analyse betrieben, erläuterte Haidinger.

Im internationalen Vergleich weist Österreich seit Jahren eine der niedrigsten Kriminalitätsraten auf. Die Kriminalitätshäufigkeitszahl (Straftaten pro 100.000 Einwohner) betrug in Österreich im vergangenen Jahr 6.481; in der Schweiz 7.030, in Deutschland 7.736 und in Dänemark 9.102.

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