Turrini, Menasse, Allende, Reich-Ranicki zur Causa Walser

Führende Autoren des Suhrkamp-Verlags nehmen in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe zur Causa Walser Stellung

Wien (OTS) - Peter Turrini lobt "Tod eines Kritikers" enthusiastisch: "Ein wunderbares Buch, sehr witzig, sehr polemisch. Man muss schon von schwerem deutschen Wahn befallen sein, um es als antisemitisch zu lesen. Sollte Walser jetzt aus der deutschen Literatur zwangsverwiesen werden, ist er mir in der österreichischen sehr willkommen."

Dagegen Robert Menasse: "Walser hat eine Meisterleistung vollbracht: Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ein Schriftstellerkollege es schafft, dass ich mich mit Reich-Ranicki solidarisieren muss. Walser hat es geschafft, und das macht mich wütend."

Isabel Allende relativiert den Disput: "Der Kritiker wird ja gar nicht umgebracht! Ich finde die Debatte hysterisch und staune, dass sich Medien damit befassen."

Reich-Ranicki verschärft im NEWS-Interview seine Vorwürfe gegen Walser: "Er hat uns genau erzählt, dass seine Mutter, die entscheidende Person in seiner Familie, eine enthusiastische Nationalsozialistin war und naturgemäß auch eine aggressive Antisemitin. So ist er erzogen worden. Er hat dann den Antisemitismus viele Jahre unterdrückt, vielleicht auch verheimlicht. Jetzt scheint alles zum Ausbruch gekommen zu sein, was ihm in seiner Kindheit und Jugend zuteil wurde."

Gesprächsbasis mit Walser sehe er keine: "Ein Mensch will mich ermorden und tut alles in seinem Buch, um mich aufs schlimmste zu beschimpfen. Ich habe ihn zum letzten Mal vor vier Jahren persönlich gesehen. Es gibt zwischen uns keine Kontakte."

Walser kommentiert in NEWS Reich-Ranickis Vorwürfe mit großer Schärfe: "Das ist das Schlimmste und Erbärmlichste! Da krieg ich eine Wut, dass ich nochmal so ein Buch schreiben möchte. Meine Mutter war eine Katholikin, wie es seit Thomas von Aquin keine mehr gegeben hat. Sie ist aus rein wirtschaftlichen Gründen in die Partei eingetreten, hat nie ein Abzeichen getragen, hat nie einen Nazi-Satz gesagt."

Walser über Reich-Ranicki: "Wie ich da seine Auftritte beschreibe, so groß ist er gar nicht. Ich mache eine furiose Figur aus ihm. So gut war er noch nie wie bei mir. Er sollte geschmeichelt sein."

Im selben Interview erklärt Walser, er überlege, Deutschland zu verlassen und sich im österreichischen Vorarlberg anzusiedeln:
"Ständig denke ich: Nichts wie weg! Entfernung würde helfen."

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