"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Ende mit Schrecken" (Von Fred Steinacher)

Ausgabe vom 5. 6. 2002

Innsbruck (OTS) - Tirols Sportszene hat schon viele schwarze
Stunden erleben müssen. Dazu zählen sportliche Pleiten wie das 1:9 von Madrid genau so wie das Finanzdebakel des Eishockeyklubs GEV in den frühen Neunzigerjahren, oder der Fall Mair, der den hiesigen Fußball erstmals wie ein mittleres Erdbeben erschütterte. Doch nach der jüngsten Entwicklung rund um den FC Tirol, die in der Verhaftung des Managers Robert Hochstaffl gipfelte, steht nicht nur Tirols Fußball, sondern der gesamte Tiroler Sport vor einem Trümmerhaufen. Verursacht von Funktionären, die offensichtlich über Jahre hinweg nicht imstande waren, dem Gebot der finanziellen Lage entsprechend zu agieren.

Irgendwann, davon ist auszugehen, wird der Tiroler Sport und Österreichs Fußball den gewaltigen Imageschaden aufgearbeitet haben. Schwerer tun sich da schon Tausende jugendliche Kicker im ganzen Land, die mit dem nun absehbaren unrühmlichen Ende des Traditionsklubs emotional zu kämpfen haben werden. Vom materiellen Schaden, den die profilierungssüchtige Führungsmannschaft anrichtete, ganz zu schweigen. Restlose Aufklärung ist nicht zuletzt deshalb gefordert, aber nur möglich, wenn Vergangenheitsbewältigung im großen Stil betrieben wird.

Viele Fragen drängen sich auf, dabei wollte die nun bitteren Antworten ohnehin jeder schon immer gewusst haben. Aber Schweigen war Gold in der Vergangenheit; dafür wurde drei Jahre lang mit den Meisterkickern gejubelt. Jetzt droht ein Ende mit Schrecken, denn die Wahrscheinlichkeit, dass einer der erfolgreichsten und traditionsreichsten Vereine Österreichs in der Versenkung verschwindet, ist seit gestern größer denn je. Das Geld für die notwendige Lizenz sei zwar vorhanden, sagt Othmar Bruckmüller, aber die Stimmung im Land ist umgeschlagen. Selbst die Bundesliga hat ihre Bedenken, ob eine Lizenz unter diesen Voraussetzungen noch sinnvoll wäre. Eine durchaus verständliche Reaktion.

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