"Kleine Zeitung" Kommentar: "Hochverrat" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 01.06.2002

Graz (OTS) - Das war keine gute Woche für die FPÖ. Mit der Proporzbestellung von Reinhart Gaugg verspielte die Partei die letzten Reste dessen, was einmal ihren Eros ausmachte: das Aufbrechen eines kartellierten Machtsystems, das Anprangern von Schacher, Filz und Packelei.

Mit diesen alten Ritterfestspielen gegen die Gefräßigen ist jetzt Schluss. Nicht, dass sich die FPÖ am Futtertrog der Macht unmanierlicher verhielte als andere vor ihr. Aber allein der Umstand, dass sie ebenso ungeniert zulangt wie die, deren Gier sie brandmarkte, weist sie als ganz normale, verhaltensunauffällige Altpartei aus.

Am ältesten sah diese Woche das einfache Altparteimitglied aus. Er, der früher einen Möchtegern-Doppelämtler wie Reinhart Gaugg in die Umlaufbahn befördert hätte, rückt jetzt aus und sagt, warum soll ein Pensionsversicherungsmanager nicht auch Parlamentsabgeordneter sein dürfen.

Es klang wie ein frivoler Hochverrat am Mythos der Partei. Sie hat diese Woche die letzten Spurenelemente ihrer Identität verhökert und wie sie es bemerkte, wechselte sie in Panik Bühne und Thema: Matura abschaffen!

Das war so durchsichtig, dass der Schweitzer-Kracher folgerichtig auch nicht zündete. ****

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