Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Ein Mythos unseres Alltags

Ausgabe vom 1. Juni 2002

Klagenfurt (OTS) - Die Matura ist ein Mythos unseres Alltags geworden. Das verraten allein die aufgeregten Töne, die die Debatte über eine mögliche Abschaffung dieses gesellschaftlichen Selektionsinstrumentes begleiten. Matura heißt für viele - obwohl sich in der Entwicklung Jugendlicher vieles geändert hat - Reifetest. Die große Abschlussprüfung schaffen, bedeutet in Österreich, mehr noch als andernorts, sich in soziale Kategorien einordnen zu lassen. Matura wird zum Mittel, Menschen, ohne sie in ihrer Individualität zu begreifen, in eine Schublade stecken zu können.

Nüchtern betrachtet, ist es abwegig, dass eine Momentaufnahme über den Leidensweg eines Menschen entscheiden soll. Die Bewertung von Leistungen über einen längeren Zeitraum hindurch gewährt tiefere Einblicke in die Möglichkeiten eines Schülers. Eine Fachbereichsarbeit bietet den Verfassern die Möglichkeit, sich intensiver mit Themen zu beschäftigen und selbständig wissenschaftlich arbeiten zu lernen. Voraussetzung dafür müsste ein verstärkter fächerübergreifender Unterricht sein, der sich auch durch Aktualität auszeichnet.

Dennoch sollte in einer Mittelschule ein möglichst breits Spektrum an Wissen Platz haben. Verfrühte Spezialisierung und Berufsorientierung bergen die Gefahr, dass Kritikfähigkeit sich erst gar nicht entfallen könne. Für die Bewertung des Allgemeinwissens gibt es Jahreszeugnisse, die mehr aussagen als eine einmalige Prüfung. Als "Reifetest" eignet sich wohl besser eine "kleine Diplomarbeit", die verrät, wie der Einzelne mit dem Vermittelten arbeiten kann.

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