Neuregelung der Sozialversicherungspflicht für Direktvermarkter

Direktvermarktung der Biobauern gefährdet

Loosdorf (OTS) - Die Neuregelung der Sozialversicherungspflicht
für Direktvermarkter im Biolandbau bringt eine massive finanzielle Zusatzbelastung, v.a. für kleine biobäuerliche Betriebe. Eine nun leicht veränderte Fassung dieser Neuregelung liegt zur Begutachtung vor.

Eine Umfrage der ARGE BIO-LANDBAU unter 185 Biobetrieben mit Direktvermarktung be- und verarbeiteter Produkte hat unter anderem ergeben, daß die zusätzliche Belastung dieser Direktvermarkter durch die Neuregelung der Sozialversicherung von ca. 60% der Befragten als existenzbedrohend empfunden wird. Davon kann abgeleitet werden, daß die von der Politik geforderte und geförderte, von den Konsumenten erwünschte, und für den Bauernhof wichtige und notwendige Direktvermarktung von Bioprodukten einen Rückgang erfahren wird.

Die ARGE BIO-LANDBAU hat daraufhin ein Gespräch mit der Spitze der Sozialversicherungsanstalt der Bauern (Generaldirektor Ledermüller, Obmann Donabauer) geführt und außer der Umwandlung einer Freigrenze von ca. 3.600 Euro in einen Freibetrag nichts erreicht.

Betroffen von dieser "Neuregelung der Sozialversicherungspflicht für Direktvermarkter" sind v.a. kleine Biobetriebe mit einem Direktvermarktungsvolumen von 4.000-25.000 Euro pro Jahr und hier v.a. die Frauen, also die Bäuerinnen, die hauptsächlich die Direktvermarktungsprodukte herstellen und vermarkten.

Kleine Betriebe können ihr Einkommen nur über die Veredelung und Intensivierung verbessern - diese Möglichkeit wird nun durch die Neuregelung unterfahren und in Frage gestellt. Die zusätzliche Belastung beträgt im Schnitt ca. 1.200Euro/Jahr oder die Hälfte des aus der Direktvermarktung erwirtschafteten Gewinns, immerhin die Kosten von z.B. einem 3-wöchigen Englandaufenthalt für ein Kind von einem Bauernhof. Verantwortlich für die Neuregelung sind ÖVP und FPÖ, die diese beschlossen und nun eine leicht modifizierte Abänderung dieser Neuregelung zur Begutachtung vorgelegt haben.

Die ARGE BIO-LANDBAU fordert eine echte Abänderung der Neuregelung, indem

- auch dem kleinen Betrieb (4.000-25.000 Euro Direktvermarktungsumsatz) eine ökonomisch realistische Möglichkeit der Wahl zwischen einem pauschalierten und einem nicht pauschalierten System einzuräumen ist bei diesem kleinen Betrieb, wenn er im pauschalen System bleibt, die Bemessungsgrundlage der Berechnung der Sozialversicherungsabgabe von derzeit 30% (fiktivem!) Gewinn auf 10 % realen Gewinn abgesenkt wird

- und/oder der Anteil der Urproduktion an der Be- und Verarbeitung aus der Berechnung der SVA herausgenommen wird.

- oder der Freibetrag von derzeit ca. 3.600 Euro auf 10.800 Euro angehoben wird.

Die derzeitige Abänderung der Neuregelung der Sozialversicherungspflicht für Direktvermarkter im Biolandbau ist für die ARGE BIO-LANDBAU keineswegs ausreichend und ist in der derzeitigen Form nach wie vor ein Anschlag auf die Geldbörsen der kleinen Biobetriebe und hier v.a. auf die der Bäuerinnen. Sie ist nicht wirklich nachvollziehbar und argumentierbar und wirkt sich demotivierend auf die Direktvermarktung im Biolandbau aus - Wirkt sich doch gerade das biologische Lebensmittel durch seinen Gesundheitswert positiv auf die Krankenstatistik aus! Die Direktvermarktung in der Biolandwirtschaft gehört unterstützt und nicht weiter belastet.

Alfons Piatti
Obmann der ARGE Bio-Landbau und Biobauer im Weinviertel

Hinweis:
Eine Kurzfassung der von der ARGE Bio-Landbau durchgeführten Befragung erhalten Sie bei der ARGE Bio-Landbau.

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ARGE Bio-Landbau
Alexandra Pohl
Tel.: 01/403 70 50
alexandra.pohl@biolandbau.at

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