Gespräch Kirchen Grüne: Bischof Sturm: Individualität und Freiheit kein Privileg für Vermögende

Wien (OTS) - Die kirchlichen Initiativen sehen sich durch ihr konkretes, solidarisches, oft von Ehrenamtlichen getragenes Handeln legitimiert, gesellschaftliche Solidarität einzufordern.

Nächstenliebe und gesellschaftliche Solidarität können nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Das erklärte der evangelisch-lutherische Bischof, Mag. Herwig Sturm, bei einer Begegnung von Repräsentanten der Kirchen mit dem Grünen Nationalratsklub am Mittwoch in Wien. Im Mittelpunkt des Gesprächs, das im Parlament stattfand, stand die Arbeit am Sozialwort des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich.
Sozialstaat und Freiheit, Solidarität und Individualität schließen einander nicht aus, sondern bedingen und ergänzen einander, sagte Sturm. Der Sozialstaat sei Voraussetzung dafür, "dass die Werte von ndividualität und Freiheit nicht nur ein Privileg für die Einkommensstarken und Vermögenden sind." Sturm: "Der Sozialstaat macht Gesellschaften reich und nicht arm. Eine gute Sozialquote korrespondiert nicht mit wirtschaftlicher Rückständigkeit, sondern im Gegenteil: mit hoher Prosperität."

Die 500 Einsendungen zum Sozialbericht der Kirchen zeigten die "dringendsten Probleme unserer Gesellschaft". Darin kritisieren kirchliche Initiativen und Einrichtungen zahlreiche Fehlentwicklungen und Lücken im sozialen Sicherungssystem, wie etwa die fehlende eigenständige Existenzsicherung von Frauen, die Zunahme von "Working Poor", Integrationsbarrieren für Zugewanderte bei Arbeit und Wohnen oder den Kompetenzdschungel bei der Pflegeausbildung und der Sozialhilfe. Weitere Probleme sehen die Kirchen beim Zugang Einkommensschwacher zu öffentlich geförderten Wohnungen, bei der mangelnden Unterstützung und Absicherung psychisch Kranker sowie bei fehlenden Mitsprachemöglichkeiten vom Betroffenen und NGOs, etwa in der Arbeitsmarktpolitik.

Die Kirchen, so Sturm weiter, treten ein für den gesetzlichen Schutz vor Armut und forden "Rechte vor Almosen". Beklagt wird die mangelnde Rechtsicherheit. Gerade bei den Schwächsten sei darauf zu achten, "dass grundlegende Rechte gewahrt werden". "Die Einhaltung der Menschenrechte darf sich nicht am Budget orientieren", warnte der Bischof.

Ähnliche Gesprächsrunden haben bereits mit der ÖVP und der SPÖ stattgefunden. Mit der FPÖ ist eine solche Begegnung bisher nicht zustande gekommen.

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