PRÄSIDENTIN PÜHRINGER BESUCHTE MIT BUNDESRATS-DELEGATION SÜDAFRIKA Bundesratspräsidentin beeindruckt von Entwicklung des Landes

Wien (PK) - Tief beeindruckt von ihrem Besuch in Südafrika zeigte sich Bundesratspräsidentin Uta Barbara Pühringer bei ihrer Rückkehr nach Österreich Anfang dieser Woche. Angesichts der Herausforderungen, vor denen Südafrikas Politik und Gesellschaft stehen, schrumpften manche politische Probleme in Österreich, erklärte Pühringer. Besonders hob sie die Anstrengungen hervor, die Südafrika auf dem Bildungssektor unternehme. Mit ihrem einwöchigen Besuch folgten Präsidentin Pühringer und ihre Delegation, der Vizepräsidentin Anna Elisabeth Haselbach (S), Bundesrätin Hedda Kainz (S), sowie die Bundesräte Ludwig
Bieringer (V) und Engelbert Weilharter (F) angehörten, einer Einladung durch die Vorsitzende des Rates der Provinzen, Naledi Pandor.

Die österreichische Delegation traf zu politischen Gesprächen
u.a. mit Präsidentin Naledi Pandor und mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Mushwana zusammen. Das Oberhaus des südafrikanischen Parlaments vertritt, ähnlich dem österreichischen Bundesrat, die Interessen der Provinzen - was Anlass bot, Funktion und Rolle der beiden Institutionen zu vergleichen. Die Gastgeberin, Oberhaus-Vorsitzende Pandor, bot ihren Gästen auch Gelegenheit, ihre konkrete politische Arbeit an der Basis mit zu erleben.

Acht Jahre nach Ende der Apartheid zeigten sich die Gastgeber
stolz auf die neue Verfassung mit einem ausgefeilten Grundrechtskatalog und die Entwicklung der südafrikanischen Gesellschaft, die als "civil society" u.a. von starken NGOs
geprägt sei. Große Anstrengungen unternimmt das Land auf dem Bildungssektor. Unter anderem wird benachteiligten jungen
Menschen der Zugang zu den Bildungseinrichtungen erleichtert. Zugleich ist man bestrebt, die Kapazität der
Bildungseinrichtungen zu stärken. Trotz des immer noch gegebenen großen Nachholbedarfs besuchen derzeit immerhin 80 % der schulpflichtigen Kinder eine Schule.

Im Rahmen ihres Aufenthalts in der Republik Südafrika besuchte
die Delegation des Bundesrats auch mehrere von Österreich unterstützte Sozial- und Bildungsprojekte. Im Township Orange
Farm, einer explosionsartig wachsenden, sehr armen Gemeinde
südlich von Johannesburg mit über eineinhalb Millionen
Einwohnern, wurde 1996 mit österreichischer - hauptsächlich der Gemeinde Wien - Unterstützung das Masibambane College "Vienna Center" eröffnet - mit damals 20 Schülern. In den sechs Jahren ihres Bestehens hat sich die Schule zu einer weithin angesehenen Erziehungs- und Bildungsinstitution mit mehr als 400 SchülerInnen entwickelt. Die Versammlungshalle der Schule wird für vielerlei Zwecke genutzt - was ein wichtiger Beitrag zur Selbstfinanzierung des Projekts ist. Die Klassenschüler-Zahlen von 30 bis 40 Kindern klingen für österreichische Ohren hoch; in Südafrika sind allerdings eher 50 bis 60 Kinder pro Klasse die Regel.

Ebenfalls in einem armen und von hoher Arbeitslosigkeit (rund 60
%) geprägten Gebiet, im Township Hartbeesfontein im ehemaligen Homeland Bophutatswana, wurde im November 2000 das
Gemeindezentrum "M. Tause Austrian Center" eröffnet. Es ist nach einem afrikanischen Freiheitskämpfer und Anti-
Apartheidsaktivisten benannt. Finanziert wurde das Zentrum, das
als Basis für verschiedene Gemeindeaktivitäten und Entwicklungsmaßnahmen fungiert, von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (75 %) und aus lokalen Mitteln (25 %).
In dem Gebiet sind u.a. frühere Minenarbeiter angesiedelt. Für
die nächste Zukunft ist die Einrichtung einer Bankfiliale, einer Leihbibliothek und - falls die Finanzierung gesichert werden kann
- einer Tagesklinik geplant.

Besonders beeindruckt zeigte sich Bundesratspräsidentin Pühringer vom Sizanani Village, wo die Gäste aus Österreich auch eine "Zulu-Messe" mit feierten. Das Dorf ist eine Gründung des aus Südtirol gebürtigen Missionars Pater Karl Kuppelwieser, der für seine Arbeit von Österreich 1993 mit dem Goldenen Ehrenzeichen ausgezeichnet wurde. "Sizanani" ist ein sozial hoch wichtiger Begriff aus der Ndebele-Sprache und bedeutet "Wir helfen
einander". Das Herzstück des Projekts bilden ein Heim und eine Schule für mehrfach behinderte Kinder. Zu der Anlage gehören weiter eine Aidsklinik, in der Aidspatienten in Würde sterben können, ein Heim für verstoßene Kinder, Werkstätten für Kunsthandwerk, landwirtschaftliche Betriebe und ein
Konferenzzentrum mit Unterkünften und Gaststätte. Pater Kuppelwieser ist derzeit dabei, ein Heim für misshandelte Frauen aufzubauen. Seit einigen Jahren leisten junge Österreicher im Sizansani Village ihren Zivildienst ab. In dem Projekt finden
rund 600 Menschen Beschäftigung; dies ist im Hinblick auf die Tatsache, dass eine arbeitende Person durchschnittlich zehn
weitere Menschen ernährt, von besonderer Bedeutung.

"Angesichts der Probleme und Herausforderungen, denen wir in Südafrika begegnet sind, und mit Blick auf die imponierenden Leistungen von Institutionen und einzelnen Persönlichkeiten schrumpfen manche der politischen Auseinandersetzungen zu Hause
auf die ihnen zukommende Größe", erklärte Bundesratspräsidentin Pühringer bei ihrer Rückkehr. "Die Hilfe, die Österreich bei wichtigen Projekten leistet, kann aber nur ein Anfang sein." (Schluss)

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