- 27.05.2002, 12:09:27
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Topthema Gesundheitspolitik: Ärzte fordern bessere Konzepte
Erhöhung der Tabaksteuer nur Tropfen auf den heißen Stein - Ärzte wollen keine Rationierung bei Medikamenten
Wien (OTS) - Als Schritt in die richtige Richtung wertet der
Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Dr. Otto Pjeta, das
Bekenntnis Bundeskanzler Schüssels zum Sicherstellung der Qualität
der Gesundheitsversorgung in der Sonntagausgabe des "Kurier". Es sei
gut, dass die Regierung endlich erkannt habe, dass die
Gesundheitspolitik ein zentrales, wenn nicht sogar wahlentscheidendes
Thema für die Menschen im Land sei und dass am Erhalt und Ausbau des
Gesundheitswesens mit großer Priorität gearbeitet werden müsse,
erklärt Pjeta am Montag in einer Aussendung. Die Politik müsse jedoch
nachhaltige Konzepte vorlegen, wie dieses Ziel zu verwirklichen sei.
Nur die bloße Umschichtung von Mitteln innerhalb der
Sozialversicherungen und die angedachte Erhöhung der Tabaksteuer und
Widmung dieser Mehrerträge für die Kassen werde langfristig nicht
ausreichen, um die Versorgung der Österreicher mit medizinischen
Leistungen nach dem neuesten Stand der medizinischen Wissenschaft zu
garantieren, kommentiert der ÖÄK-Präsident den am Wochenende bekannt
gewordenen Maßnahmenkatalog zur Konsolidierung der Krankenkassen.
Pjeta: "Die Erhöhung der Tabaksteuer ist nur ein Tropfen auf den
heißen Stein. Noch dazu ist die Maßnahme gesundheitspolitisch nicht
nachhaltig. Einerseits bemüht man sich, die Menschen vom Rauchen
abzuhalten. Andererseits will man aber offenbar auf die Raucher als
Finanzquelle auch nicht verzichten."
Angesichts der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft und der
Zunahme chronisch Kranker, multimorbider und lifestylegeschädigter
Patienten sei klar, dass es in Zukunft nicht beim Sparen,
Mittel-Umschichten und Löcherstopfen bleiben könne. "Was wir brauchen
ist ein nachhaltiges Gesundheitskonzept für Österreich, in dem die
Versorgungsziele - nicht nur die Sparziele - klar definiert werden
und dafür erforderlichen Ressourcen sicher gestellt werden", mahnt
Pjeta. "Nur eine grobe Vorstellung von dem, wohin man will - nach dem
Motto 'Der Weg ist das Ziel' - wird nicht gehen."
Als "längst überfällige Maßnahme" begrüßt der ÖÄK-Präsident den
geplanten Wegfall der Chefarztpflicht, durch die in der Vergangenheit
unangemessene, teils auch unüberwindliche und inhumane
Bürokratiehürden für Kranke aufgebaut worden seien. Viele Patienten
würden durch die formalistischen Bewilligungspflichten abgeschreckt,
Leistungen überhaupt zu beantragen, berichtet Pjeta. Gerade den
Schwächsten, wie etwa multimorbiden und immobilen Senioren, werde der
Zugang zum Gesundheitssystem durch Bewilligungspflichten
unverantwortlich erschwert, denn sie seien mehr als andere auf den
guten Willen und die Unterstützung von Angehörigen und Freunden bei
der Beantragung von Leistungen angewiesen. "Es ist gut, dass diese
Barriere nun fallen soll", so der Ärztekammerpräsident.
Was die Versorgung mit Medikamenten angeht, warnt der Kurienobmann
der niedergelassenen Ärzte in der ÖÄK, Dr. Jörg Pruckner, vor einer
von oben verordneten Deckelung. "Alle Überlegungen in die Richtung
sollte man schleunigst fallen lassen", fordert Pruckner mit Blick auf
die Bemerkung Schüssels im "Kurier". "Wie das Beispiel der Deutschen
zeigt, die die Budgetierung wieder abgeschafft haben, kommen die
Politik mit dem Diktat von Limitierungen und Sparprogrammen nach dem
Rasenmäherprinzip keinen Schritt weiter, sondern gefährdet nur die
Ansprüche der Patienten auf individuelle Betreuung", so Pruckner.
Eine fixe Budgetierung der Medikamentenkosten würde letztlich dazu
führen, dass am Quartalsende, wenn das Budget ausgeschöpft sei, keine
Medikamente mehr verschrieben würden. Ärzte dürften nicht zu
Verwaltern des Mangels werden, der letztlich auf dem Rücken von
Patienten ausgetragen werde. "Wir Ärzte haben in der Vergangenheit
einen erheblichen Beitrag zur Konsolidierung der Medikamentenkosten
geleistet und werden uns in dieser Richtung weiter bewegen -
allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der in der Vergangenheit
beschrittene Weg des Konsenses weiter verfolgt wird", schließt der
Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte. (Schluss)
Rückfragehinweis: Pressestelle der
Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 512 44 86
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