Jugendarbeitslosigkeit: Gusenbauer fordert Ausbildungsgarantie und Lehrlingsfonds

Regierung verantwortlich für "Negativrekord" - Schüssel versucht das Problem totzuschweigen

Wien (SK) SPÖ-Vorsitzender Alfred Gusenbauer wirft der Regierung Verantwortungslosigkeit und Herzlosigkeit vor. Angesichts der dramatisch steigenden Arbeitslosigkeit - mit einem Rekordzuwachs von 40.000 oder 20 Prozent im Jahresvergleich bei der Gesamtarbeitslosigkeit und bei der Jugendarbeitslosigkeit einer Zunahme um 27 Prozent oder 36.185 - kritisierte Gusenbauer den seit 844 Tage andauernden Versuch von Bundeskanzler Schüssel, das Problem "totzuschweigen". In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Jugendsprecherin Gabriele Heinisch-Hosek hat Gusenbauer am Montag die Vorschläge der SPÖ bekräftigt, wie der hohen Jugendarbeitslosigkeit begegnet werden kann. Die SPÖ fordert eine Ausbildungsgarantie für jeden Jugendlichen und die Einrichtung eines Lehrlingsfonds, der einen Ausgleich zwischen ausbildenden und nicht-ausbildenden Unternehmen bringen soll. ****

Die Zuwächse sowohl bei der Arbeitslosigkeit insgesamt als auch bei der Jugendarbeitslosigkeit wertete Gusenbauer als "absoluten Negativrekord". Die Zahl der Lehrstellensuchenden liegt bei 3.239 (Stand Ende April), damit um ein Drittel höher als vor einem Jahr, zugleich ist die Zahl der offenen Lehrstellen um sechs Prozent zurückgegangen. Gusenbauer erinnerte hier an das Versprechen von Arbeitsminister Bartenstein, dass jeder Jugendliche einen Ausbildungsplatz bekommen werde - "passiert ist seitdem nichts", fügte Gusenbauer hinzu.

Die Sozialdemokratie hält die Verhinderung von Jugendarbeitslosigkeit für eine der vordringlichsten Aufgaben, das sei in der Vergangenheit immer eines der Hauptziele sozialdemokratischer Regierungen gewesen, betonte Gusenbauer. "Es gibt nichts Schlimmeres als Jugendarbeitslosigkeit, weil damit Chancen und Perspektiven verloren gehen." Seit die Haider-Schüssel-Regierung am Ruder sei hätten sich die Probleme am Arbeitsmarkt massiv verschärft.

Die SPÖ will eine Ausbildungsgarantie für alle Jugendlichen, jeder Jugendliche habe das Recht auf entweder einen Lehrplatz oder eine Platz in einer weiterführenden schulischen Ausbildung, erklärte Gusenbauer dazu. Zweitens fordert die SPÖ die Einrichtung eines Lehrlingsfonds, der jenen Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden, zugute kommen soll.

Mit diesem Lehrlingsfonds soll das Ungleichgewicht zwischen ausbildenden und nicht-ausbildenden Betrieben ausgeglichen werden. Gusenbauer machte darauf aufmerksam, dass 85 Prozent der Lehrlinge in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ausgebildet werden; zugleich sei die Tendenz feststellbar, dass sich immer mehr Betriebe von der Lehrlingsausbildung verabschieden - dies in einer Situation, in der Unternehmen einheitlich einen Fachkräftemangel beklagen. Von Seiten der KMU würde beanstandet, dass die von ihnen ausgebildeten Lehrlinge dann von der Industrie abgeworben würden, ergänzte Gusenbauer.

Gusenbauer glaubt, dass bei diesem Lehrlingsfonds mit einer Dotation von 70 Millionen Euro das Auslangen gefunden werden könne. Er verwies hier auf den Jugend-NAP (Nationaler Aktionsplan für Beschäftigung); dabei wurden mit einer Gesamtdotation von 1,4 Millarden Schilling 4.000 zusätzliche Lehrlplätze geschaffen. Den Lehrlingsfonds sieht die SPÖ auch als Motivation für die Betriebe, Lehrlinge auszubilden. Das eigentliche Ziel ist, "das der Fonds am Ende nicht mehr gebraucht wird", so Gusenbauer.

Schließlich gehe es bei den Vorschlägen der SPÖ darum, die duale Ausbildung zu erhalten; in diesem Berufsausbildungssystem sieht Gusenbauer eine Voraussetzung für einen "enormen Wettbewerbsvorteil", die gesichert werden müsse. (Forts.) wf

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