Cerwenka: Einsparungen an den AHS stellen Gefährdung der Unterrichtsqualität dar

Die Streichung von Werteinheiten bedeutet für die AHS eine massive Kürzung bei den Freigegenständen, eine Erhöhung bei den Teilungszahlen und eine Überschreitung der Klassenschülerzahlen um rund 20 Prozent

St. Pölten, (SPI) - Ein Brief von Landesschulratspräsident Adolf Stricker hat große Bestürzung und Aufregung an den AHS in Niederösterreich ausgelöst: So werden an vielen Gymnasien die für den Herbst geplanten Stunden nicht in vollem Ausmaß abgehalten werden können. "So werden in erster Linie die Freigegenstände wegrationalisiert, also jene Unterrichtfächer, die den Schülern Spaß machen und die sie sich je nach Interessensvorlieben selbst wählen können", ist SPNÖ-Bildungssprecher LAbg. Helmut Cerwenka über die aktuelle Entwicklung besorgt. Gerade in solchen Freigegenständen entstünde oft ein intensiverer Kontakt von Lehrer und Schüler, weil der Notendruck etwas wegfalle und gemeinsame Interessen verbindend wirken würden. Cerwenka: "So bekommen Lehrer und Schüler einen neuen Zugang zueinander, der sich positiv auf die Arbeit im gesamten Unterricht auswirkt. Freigegenstände haben immer eine überaus positive Auswirkung auf die leider im Schulstress oftmals verloren gehende Freude am Schulbesuch und an der Beziehung zwischen Lehrer und Schüler."****

Als großen zweiten Kritikpunkt nennt Cerwenka die mögliche Überschreitung der Klassenschülerhöchstzahl um bis zu 20 Prozent. Cerwenka: "Damit können in einer Klasse bis zu 36 Schüler sitzen. Was das für den Unterricht bedeutet, kann man sich gut vorstellen. Viele brauche nur an die eigene Schulzeit zurückdenken. Der Kontakt Lehrer-Schüler wird anonymer, der Lärmpegel in der Klasse steigt an und die Möglichkeit zum persönlichen Eingehen auf Verständnisprobleme wird eine Ding der Unmöglichkeit." Aber auch die Zusammenlegungen von Gruppen sind für Schüler wie Lehrer eine Verschlechterung: So sollen etwa im Unterrichtsfach Leibeserziehung klassenübergreifende Zusammenlegungen stattfinden. Der gerade im Turnunterricht entstehende "Gruppengedanke" der Klasse wird damit unterbunden. Cerwenka: "Für Außenseiter stellt der Turnunterricht eine Chance dar, sich in die Gruppe zu integrieren. Auch in der Schule herrscht schon ein starker Wettbewerbcharakter, da muss man bestrebt sein, Freiräume für die Entwicklung von Teamgeist zu schaffen."

Auch wenn akut noch keine Arbeitsplätze von Lehrern gefährdet sind, fürchtet Cerwenka das Nachfolgen von weiteren Einsparungsmaßnahmen:
"Denn dann könnten Arbeitsplätze verloren gehen." Niederösterreichs Sozialdemokraten fordern daher von der Regierung, von diesen massiven Kürzungen in der AHS Abstand zu nehmen, um die Qualität der österreichischen Schulen nicht zu gefährden. Es ist nicht zu tolerieren, dass die Regierung das Budget nun auch noch auf Kosten der Bildung der kommenden Generation sanieren will. Gerade in einem geöffneten Europa muss unseren Kindern die beste Bildung möglich sein, damit sie im internationalen Wettbewerb bestehen können. Und da geht es nicht nur um die bloße Kenntnis von Wissen, sondern auch um die Fähigkeit zur Teamarbeit und die Möglichkeit Erfahrung in den Bereichen, die sich unter dem Begriff ‚emotionale Intelligenz' zusammenfassen lassen, zu sammeln. Der Staat habe eine Bildungsverantwortung, aus der er sich unter dieser Regierung immer stärker verabschiede. Die Tendenz gehe eindeutig in eine Richtung, wo die Eltern einen immer höheren Anteil an der Finanzierung der Bildung ihrer Kinder leisten müssen, um Chancengleichheit zu erzielen. Cerwenka: "Bundesministerin Elisabeth Gehrer soll endlich den ‚grasserschen' Bildungssparstift vergessen und an ihre Bildungsverantwortung denken."
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