"Gesang ohne Posse" - Premiere von Adi Hirschals neuem Nestroy-Programm am 3.6. im RadioKulturhaus

Wien (OTS) - Adi Hirschal und die "Brennenden Herzen" begeben sich
- ausschließlich mit musikalischen Mitteln - mitten hinein in die Gefühlswelt Nestroyscher Figuren. Wie klänge Titus heute? Vielleicht wie der Soundtrack eines Road Movies? Adolf Müllers Musik in Hirschals Interpretation lässt einen Nestroy jenseits gefälliger Theaterproduktionen entstehen. Die Premiere von Hirschals neuem Nestroy-Programm findet am 3. Juni im RadioKulturhaus statt. Beginn:
19.30 Uhr.****

Kann man nach dem Jubiläumsjahr 2001, in dem Nestroy anlässlich seines 200. Geburtstages im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen stand, überhaupt noch einen "neuen" Zugang zu dieser Kultfigur des österreichischen Theaters finden? Man kann, meint Adi Hirschal. Man müsse nur den Blickwinkel ein wenig ändern, dann zeige sich, dass es in Sachen Nestroy noch vieles zu entdecken gibt. Zum Beispiel die Musik, die bei einem Großteil der Nestroy-Stücke von Adolf Müller stammt. Dieser war ein überaus vielseitiger Künstler. Als Sänger und Kapellmeister war er in Wien genauso erfolgreich wie in Prag oder Lemberg, als Komponist schrieb er die Bühnenmusiken zu den Werken zahlreicher renommierter Schriftsteller, unter anderen Ferdinand Raimund und Ludwig Anzengruber. Außerdem komponierte Müller zahlreiche populäre Tänze, Singspiele und Operetten. Heutzutage allerdings ist er weitgehend vergessen. Und zwar, so meint Adi Hirschal, zu Unrecht.

Hirschal hat sich Müllers Werke, im speziellen die elf Bände mit Nestroy-Couplets, genauer angesehen. Er wollte überprüfen, ob es sich dabei, wie oft behauptet wird, wirklich nur um anspruchslose und simpel gestrickte Begleitmusik handle. "Ich war begeistert, wie viel in diesen Kompositionen steckt", berichtet er. Besonders fasziniert hat ihn, wie gut Müllers Musik auch in die heutige Zeit passt. "Ich habe für mein Programm an den Noten, so wie sie Adolf Müller hingeschrieben hat, nichts verändert. Nur der Rhythmus wird bisweilen variiert, manches habe ich von Dur in moll verlegt - und plötzlich merkt man, dass viele der Couplets ganz große, moderne Chansons sind".

Durch die stärkere Betonung der musikalischen Seite der Stücke ergibt sich für Adi Hirschal auch ein neues Bild von Johann Nestroy selbst. "Er war weder ein Paradeintellektueller, noch ein dubioser Theatermacher. In den Stücken ging es ihm nicht so sehr, wie im Gefolge von Karl Kraus immer behauptet wird, um Sprachanalyse und Sprachkritik, sondern um Lust, Erotik und Sinnlichkeit!" Immerhin lieferte Nestroy seinen Zeitgenossen eine atemberaubende Bühnenshow, in der es an pikanten Anspielungen, lasziven Gesten und deftigen Auftritten nicht fehlte. Das Publikum jubelte, so mancher strenger Kritiker allerdings warf dem Star der Wiener Volksbühnen Zotenhaftigkeit vor. "Nestroy war, was die Erotik betrifft, eindeutig ein Grenzüberschreiter", meint Adi Hirschal. "So war er zum Beispiel der erste, der beim Spiel extrem die Hüften betonte, und damit hat er natürlich extremes Aufsehen erregt. Man muss sich ihn als eine Art Jim Morrison seiner Zeit vorstellen". Heutzutage wäre Nestroy wohl weder ein Volksschauspieler noch ein Kabarettist, sondern, so meint Hirschal, vermutlich ein Popsänger. Schließlich hatte er zur Musik eine sehr enge Beziehung: seine Karriere begann er als Opernsänger, schon als 21-jähriger feierte er als "Sarastro" in Mozarts "Zauberflöte" Triumphe, und erst allmählich wandte er sich der Schauspielerei und dem Stückeschreiben zu.

"Ich fühle mich Nestroy in vielem verwandt", bekennt Adi Hirschal. Eine Affinität, die Hirschals Lehrerin Susi Nicoletti schon vor Jahren erkannt hatte: "Burli, du bist ein Nestroy-Darsteller", meinte sie damals zu dem jungen Eleven. Und der hatte nichts dagegen einzuwenden. Denn schließlich macht Nestroy ja Riesenspaß.

"Gesang ohne Posse" - Die Premiere von Adi Hischals neuem Nestroy-Programm findet am Montag, den 3. Juni im Großen Sendesaal des RadioKulturhauses statt. Beginn: 19.30 Uhr, Eintritt: 13,00 / 15,25 Euro.

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