WirtschaftsBlatt-Kommentar: Schiefe Optik für einen Aufsichtsrat

Wien (OTS) - Da genehmigt der bisherige
AUA-Aufsichtsratsvorsitzende Ex-ÖIAG-Chef Johannes Ditz sich und den anderen Mitgliedern im Kontrollgremium eine satte Gagenerhöhung um 52,7 Prozent, rückwirkend für das Katastrophenjahr 2001. Die Airline war im Vorjahr mit 164 Millionen Euro Verlust und bei einer Verschuldung von 2,7 Milliarden Euro in ihre schlimmste Krise seit Firmengedenken geschlittert. Zahlreiche Mitarbeiter der AUA wurden abgebaut, ihre verbleibenden Kollegen nehmen "freiwillige" Gehaltseinbussen von acht bis 15 Prozent in Kauf.

Szenenwechsel: Da setzt der deutsche Telekom-Chef Ron Sommer, dessen Stern nach einem Verlust von 3,5 Milliarden Euro im Sinken ist, noch rasch eine 90-prozentige Gehaltserhöhung für den achtköpfigen Telekom-Vorstand durch: In Summe 17,4 Millionen Euro, die Schulden des Konzerns belaufen sich auf 67 Milliarden Euro. Die Selbstbedienung der Spitzenleute scheint also internationaler Usus geworden zu sein.

Für die gekündigten Mitarbeiter, die um ihre Dividende umgefallenen Aktionäre und für den neutralen Beobachter muss eine solche Vorgangsweise unverfroren oder zumindest unsensibel wirken, was den Zeitpunkt angeht. Selbstverständlich sollen Spitzenleute -und das sind die AUA-Räte - gutes Geld verdienen, wenn sie ihre kostbare Zeit und ihr Engagement zur Verfügung stellen. Diese Wertschätzung steckt ohnedies im Gehalt für ihre Haupttätigkeit. Aber, auch wenn es nicht im Aktienrecht steht: Vom Aufsichtsrat erwartet man auch moralische Kompetenz und ein Mindestmass an Fingerspitzengefühl. Die im internationalen Vergleich vielleicht niedrigen "Tantiemen" hätte man auch ein Jahr später, wenn es mit der AUA wieder aufwärts geht, erhöhen können.

Und das Argument der ÖIAG, damit würden jetzt alle Aufsichtsräte in ÖIAG-Betrieben gleich entlohnt, überzeugt auch nicht wirklich: Es geht eben nicht jedem Unternehmen der Staatsholding so schlecht wie der vom 11. September und eigenen Altlasten getroffenen AUA. Wer kontrolliert die Aufsichtsräte? Niemand wirklich. Denn an der AUA halten die ÖIAG (39,7 Prozent) und institutionelle Anleger, darunter Bank Austria, Bawag und RZB, (10,6 Prozent) die Entscheidungsmehrheit und die schicken die Aufsichtsräte.

Übrigens, ABB-Ex-Vorstand Percy Barnevik zahlt auf Druck der Öffentlichkeit einen Teil seiner immensen Pensionsabfindung zurück.

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