AK: Arbeitnehmer brauchen Geld für’s Lernen

AK-ÖGB-Veranstaltung "Lebenlanges Lernen - wer zahlt?" - deutscher Experte berichtet über Finanzierungsmodelle

Wien (AK) - Geld für Weiterbildung, Zeit für’s Lernen und Unterstützung im Betrieb: Unter anderem diese Voraussetzungen muss es für’s "lebenslange Lernen" für ArbeitnehmerInnen geben, sagte heute, Freitag, der deutsche Bildungsforscher Dieter Timmermann bei der AK-ÖGB-Veranstaltung "Lebenslanges Lernen - wer zahlt?" in Wien. Timmermann ist Vorsitzender der im Auftrag des deutschen Bundestags eingerichteten Expertenkommission "Finanzierung lebenslanges Lernen" - ein ähnliches Gremium soll die Regierung auch in Österreich einrichten, forderte bei der Veranstaltung Johanna Ettl, Leiterin des AK Wien Bildungsbereichs. Für Österreich verlangt sie 100 Millionen Euro zur Finanzierung einkommensabhängiger Bildungsprämien für die ArbeitnehmerInnen - und jährlich mindestens 35 Stunden Weiterbildungszeit. ****

Deutschland ist Österreich einen Schritt voraus: In Österreich hat die Bildungsministerin ein "Zukunftsforum Weiterbildung" voriges Jahr nur angekündigt - in Deutschland arbeitet die Expertenkommission "Finanzierung lebenslanges Lernen" bereits. Geld sei "die vielleicht wichtigste Ressource", die für lebenslanges Lernen bereit gestellt werden muss, sagte Kommissionsvorsitzender Timmermann bei der AK Veranstaltung. Seine Überlegungen für Deutschland: Jede und jeder soll auf ein Bildungskonto einzahlen, für das es vom Einkommen abhängige staatliche Prämien gibt - und der Staat müsste einspringen, wenn sich die oder der einzelne die Einzahlungen nicht leisten kann.

Außerdem müsste es für alle ein "Lernzeitkonto" geben, so Timmermann: Wer lebenslang lernen können soll, braucht die Zeit dazu. Wichtig sei weiters, dass die Wirtschaft die Weiterbildung der ArbeitnehmerInnen fördert - auch durch entsprechende Organisation der Arbeit: Bei Teamarbeit oder in Qualitätszirkeln könnte ein fruchtbares Lernklima entstehen. Behindert würde das Lernen zum Beispiel, wenn Betriebe Produktionen auslagern oder wenn sie durch Arbeitsintensivierung bei "Just in Time"-Produktion mögliche Lernzeiten am Arbeitsplatz einschränken.

Für Österreich fordert die AK von der Regierung 100 Millionen Euro für die Weiterbildung: Denn Weiterbildung ist teuer. Und besonders wichtig ist Weiterbildung für wenig qualifizierte Menschen mit geringem Einkommen. Deshalb soll die Förderung der Weiterbildung von der Einkomenshöhe abhängig sein - und die Förderung soll an die Qualität von Kursen und Lehrgängen gebunden werden. Johanna Ettl, Leiterin des AK Bildungsbereichs: "Die Arbeitnehmer, die sich ihre Weiterbildung auf dem freien Markt kaufen müssen, brauchen angesichts der rasanten Preisentwicklung finanzielle Unterstützung." Überdies soll das Nachholen sämtlicher Abschlüsse bis zur Matura kostenlos sein. Und es soll gesetzlich eine jährliche Mindestweiterbildungszeit garantiert werden - zumindest im Ausmaß 35 Stunden pro Jahr, wie es auch die EU empfiehlt.

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