FERRERO-WALDNER "tief ergriffen" bei Gedenkbesuch in Auschwitz-Birkenau

"Wer Auschwitz nicht vergisst, wird dazu beitragen, zu einer besseren Welt zu gelangen"

(Auschwitz - OTS) Im Rahmen ihres Besuches in Südpolen hat Außenministerin Benita FERRERO-WALDNER heute einen Gedenkbesuch im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau absolviert. Es handelt sich dabei um den ersten Gedenkbesuch eines österreichischen Außenministers im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau seit der Wende von 1989. FERRERO-WALDNER hat an der Todesmauer von Auschwitz und am Denkmal "Martyrium der Nationen" Kränze niedergelegt. In einer kurzen Ansprache nach der Kranzniederlegung hat die Außenministerin der sechs Millionen Opfer des Holocaust gedacht.

"In tiefer Ergriffenheit stehe ich vor diesem Monument der düstersten Periode der europäischen Geschichte und der größten Verbrechen der Menschheit, des Massenmordes am jüdischen Volk durch das NS-Regime und seine Helfershelfer. Die Blumen auf dem Kranz, den ich soeben an der Todesmauer niederlegen durfte, sollen den Überlebenden auf symbolische Weise zeigen, dass Österreich die sechs Millionen Toten des Holocaust und das unermessliche Leid, das diese gnadenlose Vernichtung verursacht hat, nicht vergessen hat. Stellvertretend für die Opfer von Auschwitz möchte ich das Gedenken an die aus Wien stammende Malerin und Kunsttherapeutin Friedl Dicker-Brandeis in Erinnerung rufen, die vor ihrem Transport nach Auschwitz die weltberühmten Kinderzeichnungen von Theresienstadt möglich gemacht hat. Sie hat auf heldenhafte Weise mit Hilfe von Kunst den vielen Kindern in ihrer Obhut die Monstrosität und Unausweichlichkeit ihres Schicksals erleichtert", sagte die Außenministerin.

Nach den Worten der Außenministerin hätten sich viele Verfolgte eine frühere und umfassendere Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in unserem Land gewünscht. "Die Anerkenntnis dessen, dass wir uns auch zur anderen, zur abgründigen Seite unserer Geschichte bekennen müssen, fiel nicht leicht. Einzugestehen, dass viele unserer Landsleute zu Tätern, Mittätern oder Mitwissern wurden, war nicht einfach. Österreich ist sich seiner historisch-moralischen Mitverantwortung für das Leid bewusst, das nicht Österreich als Staat, wohl aber Bürger und Bürgerinnen dieses Landes über andere Menschen und Völker gebracht haben", sagte FERRERO-WALDNER.

1,35 Millionen Juden wurden in Auschwitz umgebracht, 20.000 Roma und Sinti und 100.000 weitere Insassen, die das NS-Regime aus rassischen und politischen Gründen oder einfach, weil sie anders waren, vernichtete. Unter den Opfern waren auch Tausende Österreicher und Österreicherinnen. "Ihnen allen schulden wir es, die Lehren aus diesen Verbrechen zu ziehen und dafür zu sorgen, dass sie nicht vergessen werden".

"Ich möchte an dieser Stätte der Unmenschlichkeit vor den Opfern in aller Demut zum Ausdruck bringen, dass Österreich durch das Bestreben bewegt ist, alles daran zu setzen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Aus diesem Grunde tritt Österreich als demokratisches europäisches Land für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte ein. Die Aufklärung der Menschen über die Geschichte der Shoah und die Erziehung unserer Jugend zu Toleranz und Menschlichkeit sind Österreich ein vordringliches Anliegen", so FERRERO-WALDNER.

Zur besonderen Verantwortung, die uns die Geschichte auferlegt, gehört nach den Worten FERRERO-WALDNERS auch, Antisemitismus in all seinen Erscheinungsformen überall und jederzeit entgegenzutreten. "Wenn wir aus Auschwitz eine Lehre ziehen, so muss es jene sein, dass wir nicht zusehen dürfen, wenn sich Antisemitismus, Hass und Intoleranz regen, sei es im eigenen Land, in anderen Ländern Europas oder anderswo in der Welt. Gegenüber Intoleranz darf es keine Toleranz geben!"

"Die Entwicklungen der letzten Monate, wie die tragischen Ereignisse des 11. September sowie Terror und Gewalt im Nahen Osten, führen uns vor Augen, dass wir unsere Stimme für Verständigung, Toleranz und Dialog in der Welt noch lauter erheben und in unserem Einsatz dafür noch entschlossener sein müssen. Österreich unterstützt im Rahmen der ihm zur Verfügung stehenden Mittel die Bemühungen um eine friedliche Lösung der Probleme zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn. Österreich hat sich dabei immer für das Existenzrecht Israels in sicheren und anerkannten Grenzen und für ein Leben in menschlicher Sicherheit ohne Angst vor Terror und Gewalt eingesetzt", so FERRERO-WALDNER heute in Auschwitz.

"Wer Auschwitz nicht besucht hat, kann nicht die Bedeutung ermessen, die Israel als Heimstatt für das jüdische Volk hat. Wer Auschwitz besucht hat, weiß, wie wichtig es ist, Hass und Vorurteile zu bekämpfen. Wer Auschwitz nicht vergisst, wird dazu beitragen, zu einer besseren Welt zu gelangen", sagte FERRERO-WALDNER.

Am Ende ihres Gedenkbesuches bedankte sich FERRERO-WALDNER bei für die Möglichkeit, diesen Gedenkbesuch in Auschwitz und Birkenau machen zu können, "einen Besuch, der mich tief berührt. Ich möchte vor den Toten und Überlebenden dieses Vernichtungslagers meine Entschlossenheit bekunden, als Außenministerin der Republik Österreich mein Bestes zu tun, um dem Gedenken der Opfer des Holocaust gerecht zu werden", so FERRERO-WALDNER (Schluß).

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