ZUK-Diskussion: "Rechtsruck in Europa - Populismus auf dem Vormarsch?"

Wien (SK) "Durch die Regierungskoalitionen der Konservativen mit rechten Parteien, wird der Rechtspopulismus in Europa stark aufgewertet", erklärte Werner Perger, Redakteur der Zeitung "Die Zeit", im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung der Zukunftswerkstätte zum Thema "Rechtsruck in Europa - Populismus auf dem Vormarsch?". Unter Moderation von Marion Knapp, SPÖ-Klubsekretärin im Parlament, diskutierten außerdem Peter Fleissner, europäische Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, und Joelle Stolz, Österreich-Korrespondentin von "Le Monde". Letztere meinte, dass das Vertrauen der Bevölkerung in rechtspopulistische Parteien im Steigen begriffen ist und dies eine "Gefahr für die Demokratie" darstelle, da diese Parteien extrem autoritäre Züge aufweisen würden. "Rechtspopulismus ist keine Randerscheinung mehr - viele Länder Europas haben rechte Parteien in Regierungsverantwortung - Österreich hat hier leider eine Vorreiterrolle gespielt", bedauerte Marion Knapp. ****

"Rechtspopulistische Parteien funktionieren nach einem Führerprinzip - sie leben von einer Führerpersönlichkeit, die exzentrisch, narzistisch und schauspielerisch hoch begabt ist", analysierte Perger. Darüber hinaus würden sie nach außen einen plebiszitären Anspruch vorlügen - in Wirklichkeit wollen sie aber die demokratischen Institutionen und Prozesse aushöhlen, um ihrer autoritären Gesinnung gerecht zu werden, so der Journalist weiter. In bezug auf das Männerbild, dass Le Pen und Haider repräsentieren sagte Joelle Stolz, "Le Pen ist eine Erektion für sich, so etwas beeindruckt die Leute - Haider hingegen verkörpert die verletzliche Männlichkeit, wodurch sich vor allem junge Männer mit ihm identifizieren können." Perger ergänzte, dass sich Rechtspopulisten gerne in einer Opferrolle sähen - "sie brechen Tabus, werden dafür verbal angegriffen und werfen ihren Kritikern schließlich Meinungsterror vor".

"Auffälliges Verhalten erzeugt Medienpräsenz, damit können die Populisten aus dem permanenten Rauschen der Medien heraustreten", konkretisierte Peter Fleissner. Werner Perger schloss sich dieser Meinung an, denn ein Pim Fortuyn wäre ohne den holländischen TV-Produktionsriesen "Endemol" nie vorstellbar gewesen. Er führte fort, "Magazine verkaufen sich nicht mehr durch Politik alleine -entweder es sind nackte Frauen oder Haider auf dem Cover". Stolz behauptete, dass sich viele Menschen, allen voran die sogenannten "Globalisierungsverlierer", von den Medien ausgeschlossen fühlten und deshalb ihre Stimme bei Rechtspopulisten positionieren wollen. Aber auch der Mittelstand, der sich zu den "Gewinnern des Globalisierungsprozesses" zählen darf, tendiere immer häufiger zu rechten Parteien - dies läge laut Stolz daran, dass sie ihren Reichtum nicht mit "anderen" teilen wollen. Mit Besorgnis gab Perger das Abschlussstatement: "Wenn das so weitergeht werden wir bald sagen können: "Wir waren dabei als es begonnen hat'". (Schluss) dp

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