"Kleine Zeitung" Kommentar: "Lehre von Berlin" (von Günter Lehofer)

Ausgabe vom 24.05.2002

Graz (OTS) - Eigentlich hätten auch viele Bush-Kritiker mit Bush mitjubeln können. Auch ihnen ist das Pathos so vertraut wie dem Amerikaner. "In diesem Krieg verteidigen wir nicht nur Amerika, sondern die Zivilisation per se". Das ist rhetorischer Marmor. Der zum Beispiel dem deutschen Präsidenten Johannes Rau nicht fremd ist.

Aber abseits des Pathos war die Rede eines freundlichen Gastes. Bush schützte Kanzler Gerhard Schröder vor seinem grünen Koalitionspartner und Teilen der SPD in der Irak-Kriegsfrage. Es lägen keine Kriegspläne auf dem Tisch, betonte Bush. Sie liegen in den Schubladen und der Tisch ist kurz. Aber das sagte Bush nicht. Schröder darf davon ausgehen, dass bis zum Wahltag 22. September die Teilnahme deutscher Soldaten an einem Irakkrieg nicht entschieden werden muss.

Bush reiste von der Zwischenstation Berlin zur Hauptstation Moskau weiter. Dort versuchen er und Russlands Präsident Wladimir Putin Weltpolitik zu machen. Dazu sind keine Europäer nötig. Kein Schröder und kein Chirac sind gefragt. Das sollte den Europäern die Lehre in Berlin sein. Europa sitzt nicht mit am Tisch, wenn die Amerikaner Weltpolitik machen wollen. ****

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